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ESTHER SCHIPPER

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03 Jul –
26 Aug 2026

ESTHER SCHIPPER
03 Jul –
26 Aug 2026
Forking Paths
With works by Roberto de Pinto, Valerio Nicolai, Beatrice Marchi, Chiu Chien-Jen, Chia-Wei Hsu, Tsai Yi-Ting, Tseng Chien-Ying & Federico Tosi
ESTHER SCHIPPER

Forking Paths
With works by Roberto de Pinto, Valerio Nicolai, Beatrice Marchi, Chiu Chien-Jen, Chia-Wei Hsu, Tsai Yi-Ting, Tseng Chien-Ying & Federico Tosi

3 JUL bis 26 AUG 2026

Esther Schipper Berlin freut sich, Forking Paths zu präsentieren, eine Gruppenausstellung, die Arbeiten von 邱建仁 Chiu Chien-Jen, Roberto de Pinto, 許家維 Hsu Chia-Wei, Beatrice Marchi, Valerio Nicolai, Federico Tosi, 蔡依庭 Tsai Yi-Ting und 曾建穎 Tseng Chien-Ying.

Courtesy of the artist and the gallery

Der Titel der Ausstellung leitet sich von Jorge Luis Borges’ Kurzgeschichte The Garden of Forking Paths aus dem Jahr 1941 ab. In Borges’ Text verläuft die Zeit nicht entlang einer einzigen linearen Bahn, sondern verzweigt sich in vielfältige, gleichzeitige Möglichkeiten. Die Geschichte entwirft ein Universum, in dem jede Entscheidung neue Wege erschafft, anstatt frühere zu ersetzen. Ausgehend von diesem Bild befasst sich die Ausstellung Forking Paths mit den vielfältigen Wegen, auf denen Bilder, Geschichten und Identitäten entstehen und wahrgenommen werden.

Diese literarische Prämisse findet in der räumlichen Struktur der Ausstellung ein physisches Pendant. Anstatt die Kunstwerke in einer festgelegten Abfolge zu präsentieren, entfaltet sich Forking Paths als ein Beziehungsgeflecht, das von sich verändernden Blickachsen geprägt ist. Vorhänge in Erdtönen unterteilen und strukturieren den Raum und schaffen dabei durchlässige Übergänge, die Blickbezüge freigeben und verbergen, und gleichzeitig die Besucher:innen durch den Galerieraum führen. Die Ausstellung bringt vier Künstler:innen aus Taiwan und vier Künstler:innen aus Italien zusammen. Das Ausstellungsdesign greift sowohl ostasiatische als auch italienische Garten- und Raumtraditionen auf, in denen sich windende Wege und eingerahmte Ausblicke das Gehen in eine Form der Wahrnehmung verwandeln.

Exhibition view:
Forking Paths, Esther Schipper, Berlin, 2026

Courtesy the artists and Esther Schipper, Berlin/Paris/Seoul

Photo © Andrea Rossetti

Am Eingang des Ausstellungsraums positioniert, fungiert Hsu Chia-Weis Rubber Balls (2025) als Schwelle zur Ausstellung. Die Vierkanal-Videoinstallation, die aus Monitoren, einem Eisengestell und natürlichen indonesischen Kautschukbahnen besteht, wendet sich der Geschichte der Kautschukausbeutung in Indonesien unter niederländischer Kolonialherrschaft zu. Entwickelt mit Unterstützung des Eye Filmmuseums Amsterdam, das dokumentarisches Archivmaterial aus der Zeit zwischen 1913 und 1945 in Niederländisch-Ostindien bereitstellte, verbindet die Arbeit historische Recherche mit KIgenerierten Bildern. Hsu bezieht sich teilweise auf Hella S. Haasses Roman Oeroeg aus dem Jahr 1948, der von einer Kindheitsfreundschaft zwischen einem niederländischen und einem indonesischen Jungen auf einer Kautschukplantage handelt. Rubber Balls hinterfragt das koloniale Archiv und untersucht, wie diese Systeme die traditionelle Landwirtschaft in groß angelegte Ressourcengewinnung verwandelten. An der benachbarten Wand gewährt das einkanalige Werk Bound Images einen Einblick in den von Hsu eingesetzten KI-Bildgenerierungsprozess.

Beim Betreten des Hauptausstellungsraums können die Besucher:innen unterschiedliche Wege durch die vier Bereiche des Raums wählen. Jedes Viertel verbindet die Werke von zwei Künstler:innen miteinander und gewährt gleichzeitig kurze Einblicke auf weitere Arbeiten hinter den Vorhängen. In einem Bereich treten Werke von Federico Tosi und Roberto de Pinto in einen Dialog über Körper, Natur und Wandel. Tosis Vulkanlandschaften bewegen sich in einem Zwischen- raum von Figuration und Auflösung. Roberto de Pintos Gemälde wenden sich dem Körper als einem ebenso bedeutungs- geladenen Terrain zu. Mit einer unverwechselbaren Enkaustik-Technik, die zum Teil von den Fayum-Mumienporträts inspiriert ist, schafft er Oberflächen, die an Haut und Berührung erinnern. Seine wiederkehrende männliche Figur, die wie ein malerisches Alter Ego wirkt, erscheint in Momenten der Intimität und des Müßiggangs.

Exhibition view:
Forking Paths, Esther Schipper, Berlin, 2026

Courtesy the artists and Esther Schipper, Berlin/Paris/Seoul

Photo © Andrea Rossetti

Exhibition view:
Forking Paths, Esther Schipper, Berlin, 2026

Courtesy the artists and Esther Schipper, Berlin/Paris/Seoul

Photo © Andrea Rossetti

Exhibition view:
Forking Paths, Esther Schipper, Berlin, 2026

Courtesy the artists and Esther Schipper, Berlin/Paris/Seoul

Photo © Andrea Rossetti

In einem weiteren Abschnitt treten die Werke von Valerio Nicolai durch ihr gemeinsames Interesse am Akt des Betrachtens mit den Gemälden von Tseng Chien-Ying in einen Dialog. Nicolai konfrontiert in seinen Arbeiten die Kunstgeschichte mit Elementen des Alltäglichen und Prosaischen. Humor, Symbolik und Absurdität prägen Szenen, in denen Realität und Fiktion ständig die Plätze tauschen. In Doppio Capolino (2026) tauchen zwei Gesichter – deren Züge an Porträts der italienischen Renaissance erinnern – an den Rändern eines dunklen Raums auf, der entweder eine Türöffnung, ein Fenster oder eine Bühne sein könnte. Auch Tseng Chien-Yings Werk beschäftigt sich mit dem Sehen und Gesehenwerden durch verschiedene Masken und Perspektiven. Er betrachtet die menschliche Gestalt eher als Träger symbolischer Be- deutung denn als anatomisches Wesen, als einen vielschichtigen Zustand, der sich aus körperlichen, wahrnehmungs- bezogenen und psychischen Dimensionen zusammensetzt. Tsengs Gemälde entstehen in der Tradition der taiwanesischen Mineralpigmentmalerei, auch Jiaocai (Leimfarbenmalerei) genannt. Dabei wird eine Oberfläche mit Leim bestrichen, auf die anschließend gemahlene Rohpigmente aufgetragen werden. Schmuck, Perlen, metallische Oberflächen, Piercings und Kompressionskleidung wirken zugleich als Zierde und als Einschränkung. Sowohl Tsengs Verwendung alter Maltechniken als auch sein Interesse an der Körperverzierung stellen eine Verbindung zu den Gemälden von Roberto de Pinto her, obwohl beide aus völlig unterschiedlichen Hintergründen stammen.

In einem weiteren Bereich erkunden Beatrice Marchi und Tsai Yi-Ting Identität durch Objekte, Gesten und Formen der Inszenierung. In ihren Videoarbeiten und Gemälden begreift Marchi Identität als etwas, das innerhalb einer Gruppe aufgeführt, einstudiert und ausgehandelt wird. Inspiriert von Jacques Lecoqs (1921–1999) Methode des Clowns, bei der Verletzlichkeit als Mittel der Verbindung dient, entwickelt Marchi Charaktere und Personas. Durch diese öffnet sich per- sönliche Erfahrung auf umfassendere Fragen nach Geschlecht, Moral und Generationenkonflikt. Ihr Video La Compagnia – To Be a B(ee) (2025) wird hier erstmals in einer Ausstellung gezeigt. Tsai Yi-Tings Star-Serie (2026) verlagert diese Auseinandersetzung mit Identität und Inszenierung auf die materielle Oberfläche des Papiers. Ihre Arbeiten entstehen mit Pastell auf Papier durch Prozesse des Reibens, Reißens und Verfärbens. Für Tsai ist Papier niemals ein neutraler Träger, sondern ein Speicher der Geste und ihrer eigenen persönlichen Erfahrung. Sie baut Schichten farbiger Pastelle auf und schafft so eine texturierte, malerische Oberfläche, die zum genauen Betrachten einlädt. Schuhe tauchen immer wieder als bedeutungsvolle Protagonisten auf, losgelöst von den Körpern, die sie einst trugen, deren Erinnerung sie weiterleben lassen.

Abschließend werden die Terrakotta-Skulpturen von Federico Tosi mit den Gemälden von Chiu Chien-Jen in Beziehung gesetzt. Tosis Aktdarstellungen sind verspielt und frei von historischen Bezügen; sie könnten ebenso gut den Ursprüngen der Menschheit, der Mythologie oder einer fernen Zukunft entstammen. Sie stehen im Einklang mit der Natur und lachen gemeinsam mit Vögeln, Enten oder Tannenzapfen. Chiu Chien-Jen hingegen nutzt fotografische Vorlagen – darunter Aufnahmen von städtischen Umgebungen und industriellen Strukturen – als Ausgangspunkt für seine Gemälde. Im Laufe seines Schaffensprozesses entwickeln sich die Bilder durch Überlagerung und Verwischung zur Abstraktion und es entstehen Figuren durch den Pinselstrich. Chius Technik kommt in seinen dynamischen Kompositionen zum Ausdruck: Er sprüht, spritzt und verschmiert die Farbe und verwendet dabei neben Pinseln auch mechanische Werkzeuge. Die Arbeiten von Tosi und Chiu stehen thematisch und stilistisch im Kontrast zueinander, doch es gibt eine Affinität in ihrer gestischen Aufschichtung der Materialien (Farbe oder Ton) sowie in den Oberflächenstrukturen, die zwischen ausdrucksstarken Farbtropfen und glatten Flächen wechseln.

Giulia Gelmini ist Associate Director bei Esther Schipper. Sie lebt in Berlin. 蕭牧齊 Muchi Shaw ist Senior Director Asia bei Esther Schipper. Er lebt in Taipei.

ESTHER SCHIPPER
Potsdamer Strasse 81e
10785 Berlin

+49 (0) 30 3744 3313 3
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