Gallery Portrait
Galerie Thomas Schulte
von Kito Nedo
Es gibt keine andere Berliner Galerie, die sich so einladend zum Stadtraum hin präsentiert wie die Galerie Thomas Schulte. Das Geschäftshaus an der Kreuzung Charlotten- und Leipziger Straße in Checkpoint-Charlie-Nähe zieht mit seinen hell erleuchteten, bodentiefen Schaufenstern besonders in den dunkleren Tages- und Jahreszeiten die neugierigen Blicke der Vorbeieilenden auf sich. Für einen Moment scheinen Ausstellungsraum und Öffentlichkeit fast nahtlos ineinander überzugehen. Die Tendenz des White Cubes zum Hermetischen wird auf überraschende und beiläufige Art und Weise gebrochen. Das passt zum Anspruch der Galerie, die sowohl auf künstlerische Qualität wie auch auf den Austausch mit dem Publikum setzt.
Als Programmgalerist macht sich Thomas Schulte für künstlerische Ansätze stark, die konzeptuell sind. In seiner Galerie präsentiert er Künstlerinnen und Künstler, die international hohe Wertschätzung erfahren. Dazu zählt etwa der britische Objektkünstler und Bildhauer Richard Deacon, der chilenische Installationskünstler Alfredo Jaar oder die US-amerikanische Konzept-Malerin Pat Steir. Mit seinem internationalen Anspruch gehört der Galerist seit nunmehr drei Jahrzehnten zu jener kleinen Pioniergeneration von Kulturunternehmern, die mit ihrer kontinuierlichen Arbeit über die Jahre einen wichtigen Beitrag zur Internationalisierung des Berliner Kunstgeschehens geleistet haben. Bevor Schulte nach Berlin kam, lebte er mehrere Jahre in New York und arbeitete am Museum ofModern Art als Assistenz-Kurator sowie als Direktor einer großen US-Galerie.
Seit 2006 zeigt Schulte Kunst in Berlin-Mitte. Seit 2024 ergänzt ein zweiter Ausstellungsort in den Mercator Höfen an der Potsdamer Straße den Hauptstandort in der Charlottenstraße.. Die Wurzeln des Unternehmens liegen jedoch in Charlottenburg. In der Mommsenstraße eröffnete die Galerie – damals noch unter dem Namen Franck & Schulte – im April 1991 die erste Ausstellung mit einer spektakulären Installation der Künstlerin Rebecca Horn. Der Titel der Schau: „Chor der Heuschrecken“. (Chorus of Locusts). Die documenta-Künstlerin ließ unter anderem über dreißig elektrisch gesteuerte, klappernde antike Schreibmaschinen von der Galeriedecke hängen. Das wollten rund 5000 Kunstinteressierte sehen. Selbstverständlich war eine Galeriegründung zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht. Im Gegenteil. Infolge des ersten Irakkrieges war der internationale Kunstmarkt Anfang der Neunziger in eine schwere Krise gestürzt und erholte sich nur langsam. Doch der Galerist ließ sich nicht beirren. Mit Fotografien von Robert Mapplethorpe oder Katharina Sieverding, Uhrenobjekten von Andrea Zittel, Kunst von Alighiero Boetti, Stephen Willats oder Gordon Matta-Clark festigte die Galerie früh ihren Ruf als Ort für hochkarätige internationale Kunst der Gegenwart. Diesem qualitativen Anspruch ist Schulte bis heute treu geblieben.