Gallery Portrait
Kunsthandel Wolfgang Werner
von Christian Ganzenberg
Kunsthandel Wolfgang Werner at Rembertistraße 1A in Bremen, sculpture in the foreground: Berto Lardera, Occasion dramatique VII (1960). Photo: Kunsthandel Wolfgang Werner Bremen / Berlin.
Nicht erst seit dem Mauerfall und den legendären ’90er Jahren ist Berlin ein veritabler Kunststandort – im Gegenteil: Der Kunsthandel hat in dieser Stadt eine lange Tradition. Ein lebendiger Beweis dafür ist der Kunsthandel Wolfgang Werner, dessen Wurzeln sich bis zu Israel Ber Neumanns Graphischem Kabinett zurückverfolgen lassen. Der legendäre Verleger und Kunsthandelspionier I. B. Neumann entwickelte aus seiner 1911 am Kurfürstendamm gegründeten Galerie ein ganzes Netzwerk von Kabinetten in der Republik, bevor er 1924 nach New York übersiedelte. Die Bremer Dependance führte die Familie Voigt weiter, bis 1970 der in Norddeutschland aufgewachsene, gelernte Buchhändler Wolfgang Werner sein Studium der Kunstgeschichte aufgab und die Galerie von Ursula Voigt übernahm.
Nachdem Werner die Galerie zwei Jahrzehnte in der Rembertistraße 1A in Bremen geführt hatte, kam 1991 als enthusiastische Reaktion auf den Mauerfall auch ein Standort in Berlin hinzu. Damals wie heute ist das gehobene Berliner Bürgertum in der Fasanenstraße zu Hause und mit diesem Publikum gingen auch der kunsthistorische Anspruch und das Bekenntnis zur künstlerischen Qualität einher. Seit den ersten Tagen strebt die Galerie nach Erkenntnisgewinn und Pflege ihres künstlerischen Erbes. Wissenschaftliche Genauigkeit, programmatische Kontinuität, vertrauensvolle Zusammenarbeit sowie Vermittlung auf höchstem Niveau sind dabei die vornehmlichen Maximen im Kunsthandel Wolfgang Werner. Das künstlerische Programm der Galerie leitet sich aus ihrer Geschichte ab; bis heute steht die klassische europäische Moderne, mit Fokus auf deutschen und französischen Künstler*innen, sowie die Kunst nach 1945 im Zentrum der Galeriearbeit: Liebermann, Corinth, Modersohn-Becker, Vuillard, Belling, Dix, Nolde, Kirchner, Heckel, Klee, Beckmann, Ernst, Schwitters, Schlemmer und Baumeister. Diese museal klingende Liste lässt sich um zahlreiche Hochkaräter erweitern und wird zudem – erfrischend erweise – immer wieder um zeitgenössische Positionen bereichert, wie Jean Dubuffet, Antoni Tàpies, K.O. Götz, Almut Heise, Gerhard von Graevenitz, François Morellet oder Gotthard Graubner. Der anspruchsvolle Umgang mit Kunst zeigt sich nicht nur in den sorgfältig präsentierten Ausstellungen, sondern auch in den regelmäßig erscheinenden Katalogen mit wissenschaftlichem Anspruch. Darüber hinaus hat Wolfgang Werner über die „Galerieheilige“ Paula Modersohn-Becker zahlreiche Publikationen mitverfasst, die Standardwerke der Forschung sind, darunter nicht zuletzt das Werkverzeichnis ihrer Gemälde. Mit der vornehmen norddeutschen Zurückhaltung macht sich die Galerie nun seit mehr als 50 Jahren um die Aufarbeitung der klassischen Moderne verdient. Chapeau!
Kunsthandel Wolfgang Werner at Fasanenstraße 72, Showroom Rudolf Belling – Hermann Blumenthal, spring 2021. Photo: anna.k.o.