Symptoms
with works by Mamma Andersson, Miroslaw Balka, John Coplans, Ann Edholm, Ayan Farah, George Grosz, Valentina Kozinets, Alex Müller, Edvard Munch, Francis Offman, Benjamin Orlow, Frida Orupabo, Naufus Ramírez-Figueroa, Sophie Reinhold and Michael Schmidt among others

Zu beachten: neuer Ort in der Goethestraße 2-3

11 SEP – 24 OCT 2026

Opening – 10 SEP 2026, 6–10 pm

Benjamin Orlow, Ritual City, 2026
plaster, ceramic, wood
255 x 250 x 200cm.

Copyright the artist. Courtesy of the artist and Galerie Nordenhake Berlin, Stockholm, Mexico City
Photo: Gillies Adamson.

Manche Erfahrungen hinterlassen keine sichtbaren Spuren und verändern doch die Art und Weise,
wie wir die Welt sehen, erinnern und erleben. Sie bestehen fort und treten in Bildern, Materialien,
Gesten und Räumen als Zeichen hervor. Symptome sind die Formen, durch die diese verborgenen
Erfahrungen wahrnehmbar werden und die ihnen zugrunde liegenden inneren Realitäten sichtbar
machen. Die Ausstellung vereint Werke von unter anderem Mamma Andersson, Miroslaw Balka, John
Coplans, Ann Edholm, Ayan Farah, George Grosz, Valentina Kozinets, Alex Müller, Edvard Munch,
Francis Offman, Benjamin Orlow, Frida Orupabo, Naufus Ramírez-Figueroa, Sophie Reinhold und
Michael Schmidt. Sie untersucht, wie sich solche Zustände in Malerei, Skulptur, Fotografie und Collage
manifestieren. Symptoms ist die Eröffnungsausstellung am neuen Berliner Standort der Galerie
Nordenhake in Charlottenburg.

Benjamin Orlows monumentale Skulpturen verbinden Bezüge zur klassischen Bildhauerei, zu Ritualen
und zur Mythologie und zeigen den menschlichen Körper als einen Ort fortwährender Transformation.
Im Zentrum der Ausstellung steht Ritual City, das sowohl ihren räumlichen wie konzeptuellen Anker
bildet. Zwischen Formwerdung und Auflösung angesiedelt, entziehen sich die fragmentierten Figuren
einer eindeutigen Einordnung und verleihen Prozessen Gestalt, die sich der unmittelbaren
Wahrnehmung entziehen.

Wie Orlow versteht auch Munch den Körper nicht als stabile Größe. Verzerrte Figuren, sich auflösende
Konturen und ein expressiver Pinselstrich machen ihn zum Träger psychischer Erfahrung. In George
Grosz‘ früher Zeichnung schreibt sich die Trauer in den Körper eines alten Mannes ein, der neben
einem leeren Hundenapf zusammengesunken ist. Mit bemerkenswerter Reduktion erzählt die Arbeit
von Verlust und Alter. Auch John Coplans fragmentiert den Körper in seinen großformatigen
Selbstporträts, in denen Alter, Verletzlichkeit und gelebte Erfahrung durch die physische Präsenz des
Körpers erfahrbar werden.

In den Arbeiten von Karin Mamma Andersson und Michael Schmidt wird der Raum zum Ausdruck von
Erinnerung und innerer Erfahrung. Andersson verwandelt häusliche Interieurs und Landschaften in
unheimliche Bildräume. Ausgehend von Kindheitserinnerungen und Archivfotografien evoziert sie
Wirklichkeiten, die sich dem Sichtbaren gerade noch entziehen. Schmidt wiederum begreift die Stadt
als psychologische Landschaft, in der Erinnerung, Geschichte und politische Teilung dauerhaft im
urbanen Gefüge eingeschrieben bleiben.

Sophie Reinholds Malerei hinterfragt tradierte Bildordnungen, indem sie vertraute Ikonografien und
Materialien irritiert. In die Farboberfläche eingearbeiteter Marmorpuder verleiht den Arbeiten eine
haptische Präsenz und deutet darauf hin, dass Bedeutung nicht nur visuell, sondern ebenso materiell
eingeschrieben ist. Auch Frida Orupabo zerlegt und montiert historische Fotografien Schwarzer Körper
neu, um die Gewalt sichtbar zu machen, die kolonialen Bildtraditionen eingeschrieben ist. Ihre
Collagen zeigen, wie diese Geschichten bis in die Gegenwart fortwirken. Zusammengenommen
greifen die Werke den ursprünglichen Wortsinn des Symptoms als Mit-Erscheinung auf: nicht als
Repräsentation einer verborgenen Wirklichkeit, sondern als etwas, das gemeinsam mit einer zugrunde
liegenden Bedingung hervortritt und diese überhaupt erst wahrnehmbar macht.