Marie Schubert
Exuvie

11 SEP – 31 OCT 2026

Opening – 10 SEP 2026, 6–10 pm

Marie Schubert
Frogs enjoy the view blisters
2026
Drawing on paper, acrylic glass box
37 x 51,5 cm

Sucht man im Internet nach Exuvie, füllt sich der Bildschirm mit Insekten. Genauer gesagt: Insektenhüllen. Ihre Bewohner sind bereits weitergezogen. Zurück geblieben sind verwaiste Rückstände, in denen das Leben noch nachklingt, die aber nur noch aus lebloser Materie bestehen. Marie Schuberts Einzelausstellung Exuvie beschäftigt sich mit Hinterlassenschaften und Hüllen.

Es gilt als ausgemacht, dass hinter der Oberfläche ein wahrer Kern verborgen liegt. Man solle sich nicht von dem Äußeren blenden lassen; nicht dem schönen Schein erliegen. Das gilt wohl ebenfalls für den Sportwagen Elan +2, der im Juni 1967 vom Band lief – als größere luxuriöse Variante des zweisitzigen Elan vom Hersteller Lotus Cars. Bilder zeigen die britische Luxuskarosse Alleen herunterdonnern, vor Landsitzen und dem Big Ben posieren. Mit dem eleganten und athletischen Auftreten des Sportwagens ließ sich ein Wunsch nach Status, Macht und Männlichkeit stillen. Solche Versprechen bleiben in Schuberts künstlerischer Auseinandersetzung schal. Der Motor, das Getriebe, die Sitze fehlen: Der Sportwagen ist ausgehöhlt. Nur noch seine Hülle ist geblieben.

Marie Schubert
Marie-Antoinette
2026
Bronze
Detail

Auf eine einfache Tragebühne gehoben, gleicht der Traum einem Relikt, das sich nun in seiner Fragilität zeigt. Aus dem spiegelnden, blank polierten Luxusgut ist eine lichtdurchschimmernde Hülle geworden. Entkleidet und sandgestrahlt wirkt sie porös und zerbrechlich, als würde bereits bei sanftem Klopfen der Traum von Status, Macht und Männlichkeit Risse bekommen. Die Skulptur Lotus Elan +2 erinnert damit an eine weitere Bedeutung von Exuvie: eine dem Feind abgenommene Siegesbeute.

Schubert zerlegt die Rückstände kultureller Objekte in ihre Einzelteile. Sie erweckt Hinterlassenschaften zu neuem Leben. Schimmernde Pailletten einer Rüstung oder eine aufgeschnittene Tasche werden hinter rahmenlosem Plexiglas zu Fundstücken. In ihren Zeichnungen bilden zurückgebliebene Gegenstände Welten, die anderen Regeln gehorchen. Dollarzeichen beginnen zu schweben, Schemen eines Handschuhs und einer Kette lassen sich erahnen, und Frösche baden in der Sonne, neben ihnen die Durchdrückverpackungen von Kopfschmerztabletten. In Schuberts Arbeiten wirkt das Vertraute fern. Nur die Hülle bleibt, wer braucht schon den Rest.

Text von Claas Oberstadt