Clemens Krauss
Sediments
11 SEP – 31 OCT 2026
Opening – 10 SEP 2026, 6–10 pm
Clemens Krauss
From the series ‚Sediments‚,2026
CourtesyGalerie Crone, Berlin, Vienna
Clemens Krauss
From the series ‚Sediments‚,2026
CourtesyGalerie Crone, Berlin, Vienna
Der in Berlin lebende Künstler Clemens Krauss ist für seine pastosen Malereien bekannt, in denen er sich mit dem Verhältnis des menschlichen Individuums zur großen, breiten Masse beschäftigt. In seiner neuen Werkserie „Sediments“ widmet er sich erstmals dem Dinglichen, Sachlichen und Objekthaften.
An die Stelle der humanen Figuren treten in Krauss´ Bilder nun Gebäude, Flächen und objekthafte Systeme, die den Körper nicht mehr abbilden, sondern als Bezugspunkt mitdenken. Sein Blick richtet sich somit verstärkt auf nichtorganische Formen und Konstruktionen, die als Träger von Zeitlichkeit, Geschichte und Erinnerung erscheinen. Darin formuliert sich zugleich eine kritische Distanz zuranthropozentrischen Betrachtung, der den Menschen zum Maß aller Dinge erhebt.
Der charakteristische dicke, pastose Farbauftrag bleibt dabei zentral. Schicht für Schicht lagert Krauss Ölfarbe auf der Leinwand ab und erzeugt reliefartige Oberflächen, die an geologische Sedimente erinnern. Wie natürliche Ablagerungen verdichten sich Zeit, Bewegung und Material zu vielschichtigen Strukturen. Dieses Prinzip der Schichtung verweist zugleich auf einen zentralen Aspekt seines künstlerischen Denkens: das psychoanalytische Freilegen verborgener Ebenen. Bedeutung entsteht nicht unmittelbar, sondern entwickelt sich aus den übereinander gelagerten materiellen und visuellen Schichten.
Licht und Schatten aktivieren die plastischen Oberflächen und eröffnen wechselnde Wahrnehmungsebenen zwischen Fläche und Raum. Unter den oberen Farbschichten treten immer wieder grelle Farbtonalitäten hervor, die wie Erinnerungsspuren auf frühere Zustände verweisen und den zeitlichen Charakter des Malprozesses sichtbar machen.
Clemens Krauss
From the series ‚Sediments‚,2026
CourtesyGalerie Crone, Berlin, Vienna
Clemens Krauss
From the series ‚Sediments‚,2026
CourtesyGalerie Crone, Berlin, Vienna
Die Psychoanalyse bildet für Krauss seit jeher einen Denkraum, in dem Körper, Material und Geschichte miteinander verschränkt sind. Mit Sigmund Freuds Formulierung, das Ich sei „vor allem ein körperliches, […] selbst die Projektion einer Oberfläche“, wird Körperlichkeit zum Ausgangspunkt psychischer Organisation. In diesem Sinne versteht er die Psychoanalyse als eine der wenigen Disziplinen, die Materie, Selbstwahrnehmung, Erinnerung und Subjektivität miteinander verbindet.
Ausgangspunkt der neuen Arbeiten sind Beobachtungen urbaner Räume. Architektur erscheint dabei als sedimentierter Speicher kultureller, historischer und materieller Prozesse. Materialien wie Stein, Lehm, Beton oder Wasser besitzen eine eigene Zeitlichkeit und ein Materialgedächtnis. In Krauss’ Malerei gewinnen sie eine eigenständige Körperlichkeit – verstanden als sedimentierte Beziehung von Material, Zeit und Umwelt. So entfalten die Arbeiten eine Spannung zwischen Konstruktion und Erosion, geometrischer Ordnung und malerischer Geste. „Sediments“ markiert keine Zäsur, sondern eine konsequente Weiterentwicklung seines Werks, in dem sich die Grenzen zwischen organischer und anorganischer Materie, psychischer und materieller Geschichte sowie zwischen Bild und Objekt zunehmend auflösen.