Lucía Koch
New Systems (For Relationships)

11 SEP – 14 NOV 2026

Opening – 10 SEP 2026, 6–10 pm

Lucia Koch
Self-portrait (runners), 2025
from the series People

Courtesy of the artist and carlier | gebauer, Berlin/Madrid
© Lucia Koch

Lúcia Koch ist eine brasilianische Künstlerin, die in São Paulo lebt und arbeitet. Im Laufe der Jahre schuf sie verschiedene Werkgruppen, die ein nebeneinander bestehendes und sich weiterentwickelndes Repertoire bilden, das der Künstlerin als Quelle möglicher Erwiderungen auf einem vorgefundenen Kontext dient.

In ihrer künstlerischen Praxis betrachtet Koch Architektur als eine Sprache, die es zu erforschen gilt. Durch das Einbringen von Filtern, Bildern, Ergänzungen oder subtilen Subtraktionen verwandelt sie vertraute Räume in Umgebungen, in denen Farbe, Licht und menschliche Präsenz das Raumerlebnis kontinuierlich neugestalten.

Lúcia Koch
New Systems, 2026

Courtesy of the artist and carlier | gebauer, Berlin/Madrid
© Lucia Koch

Lúcia Koch
New Systems, 2026

Courtesy of the artist and carlier | gebauer, Berlin/Madrid
© Lucia Koch

Seit 2022 entwickelt Koch „New Systems (For Relationships)“, einen Werkzyklus, der sich auf autonome Strukturen konzentriert, die eine engere Beziehung zu den Körpern der Betrachtenden aufweisen als zu einzelnen architektonischen Räumen. Die Arbeiten nutzen die Intersubjektivität, indem sie als Kommunikationsmittel zwischen Menschen fungieren. Während sich die Besucherinnen und Besucher durch, um und in ihnen bewegen, werden sie Teil eines sich ständig verändernden Beziehungsnetzwerks. Jede Bewegung erzeugt neue Konstellationen aus Farbe, Wahrnehmung und Nähe. Wie bei einer mathematischen Gleichung mit unendlichen Variablen bringt jeder Einzelne eine einzigartige Realität in das Werk ein, wodurch jede Begegnung und jedes mögliche Ergebnis endlos neugestaltet wird.

Die Werke bestehen aus beweglichen Strukturen mit Stofffiltern, und die Form jedes Moduls kombiniert entweder gebogene oder gerade Schienenabschnitte. So findet in jeder Arbeit auch eine Auseinandersetzung mit Topologie statt, bei der Farben und Formen als Attribute dienen, ganz im Sinne der logisch-mathematischen Sprache, der Muttersprache der Künstlerin. Die Module können ein symmetrisches Kreuz aus vier geraden Linien sein, eine S-Form, die für formelle Verabredungen entworfen wurde, oder zwei gerade Linien, die sich zu einem spitzen Winkel verbinden. Sie lassen sich auch zu komplexeren dreidimensionalen Diagrammen wie dem „Infinite“ kombinieren, mit umschlossenen Bereichen, die die Betrachtenden betreten können.

Die Werke verschleiern und unterteilen somit den Raum, in dem sie platziert sind, und verleihen ihm eine fast überwältigende Farbpräsenz. Innerhalb dieser „Systeme“ gibt es drei verschiedene Sets von Farbverläufen und Transparenzgraden, die unterschiedliche Stimmungen und Arten des Seins oder Handelns im Raum ansprechen.

Seit 2010 schafft Koch immersive Interventionen mit selbstgefertigten Stofffiltern, die aus auf durchscheinenden Textilmaterialien gedruckten Farbverläufen bestehen. Diese wellenförmigen Flächen verleihen den Farbübergängen Gestalt und vermitteln die Interaktionen der Betrachter mit dem Raum und untereinander. Die Menschen können die Stofffilter durchqueren oder sich um sie herumbewegen.

In „Tumulte“ (2022), einer groß angelegten Intervention im Palais de Iéna in Paris, schuf die Künstlerin durch eine gewaltige Installation aus sich kreuzenden Stofffiltern eine Art Aufruhr. Die Werke schienen durch die Fenster zu entweichen und vermittelten den Eindruck, als könne das Gebäude sie nicht zurückhalten. Die im Außenbereich befindlichen Teile ließen sich als Fahnen interpretieren, die aus unbekannten Gründen dort hingen.

Animal Mirror
with works by Jelena Bulajić, Diego Delas, Cecilia Edefalk, Asta Gröting, Thibault Hiss, Aki Inomata,
Julia Kowalska, Lin May Saeed, Pakui Hardware, Paolo Salvador, Sequoia Scavullo,
Erik Schmidt, Thomas Schütte, David Zink Yi and Paloma Varga Weisz

11 SEP – 14 NOV 2026

Opening – 10 SEP 2026, 6–10 pm

Aki Inomata
Why Not Hand Over a “Shelter” to Hermit Crabs? -Border, 2009–(ongoing)
living hermit crab, resin, seawater, aquarium tank set(dimensions variable)
HD video, photo

Courtesy of the artist and carlier | gebauer, Berlin/Madrid
Photo © Aki Inomata

Was uns ansieht, wenn wir Tiere ansehen

Kaum ein Verhältnis ist so alt, so widersprüchlich und so ungeklärt wie das zwischen Mensch und Tier. Wir teilen unser Bett mit ihm und unseren Teller. Wir vergöttern es und wir schlachten es. Wir suchen in seinen Augen nach einer Antwort, die es uns gar nicht geben kann – und projizieren genau deshalb so viel in sie hinein. Die zeitgenössische Kunst hat dieses Spannungsfeld längst als eines ihrer zentralen Themen entdeckt, weil sich an ihm etwas verhandeln lässt, das weit über Zoologie hinausgeht: unser Selbstverständnis als Spezies, unsere Ethik, unsere Ängste, unsere Sehnsüchte.

Die Ausstellung versammelt dreizehn künstlerische Positionen, die sich diesem Verhältnis aus sehr unterschiedlichen Richtungen nähern. Das Tier erscheint hier als Begleiter und Gefährte ebenso wie als Nahrungsquelle und Opfertier – zwei Rollen, die in unserer Kultur oft nur wenige Schritte auseinanderliegen, aber selten gemeinsam gedacht werden. Es erscheint als Kuscheltier und als Symbol, aufgeladen mit Bedeutungen aus Mythologie, Religion und Volksglauben, und zugleich als Auslöser unmittelbarer, kaum kontrollierbarer Emotionen – Zuneigung, Ekel, Mitleid, Furcht.

Zugleich rückt die Ausstellung das Tier als Teil eines größeren ökologischen und genetischen Gefüges in den Blick: als Mitbewohner eines gemeinsamen Planeten, als Teilhaber eines genetischen Pools, mit dem wir enger verwandt sind, als es unser Alltagsverständnis oft zulässt. Und schließlich stellt sich die radikalste Frage: Was, wenn das Tier nicht nur Motiv, sondern selbst Urheber ist – wenn tierisches Verhalten, tierische Bewegung, tierische Intelligenz zum eigentlichen künstlerischen Material werden?

Aki Inomata lässt Tiere buchstäblich mitgestalten und stellt die Autorenschaft des Menschen zur Disposition. Lin May Saeed widmet ihre skulpturale Arbeit seit Jahren der Frage nach Empathie und Befreiung im Verhältnis zum Tier.
Pakui Hardware verhandeln Körper, Biotechnologie und die Durchlässigkeit zwischen Organischem und Künstlichem. Asta Gröting und Thomas Schütte nähern sich dem Tierischen über Körperlichkeit, Trieb und Groteske, während Paloma Varga Weisz und Julia Kowalska Mischwesen und Metamorphosen zwischen Mensch und Tier zeichnen und formen – Nachfahren einer langen Traditionslinie der Fabelwesen.

Diego Delas
Atravesarás la noche, 2026
Oil on linen mounted on an infinity aluminum stretcher, and artist frame in ebonized green tea, wine, and linseed oil strip
195 x 150 x 4 cm

Courtesy of the artist and carlier | gebauer, Berlin/Madrid
Photo © Studio Diego Delas

Lin May Saeed
Girl with Cat, 2019
Styrofoam, jute, steel, acrylic paint
107 x 81 x 70 cm

Courtesy of the artist and carlier | gebauer, Berlin/Madrid
Photo © Wolfgang Günzel

Thomas Schütte
Praying Dog, 2022
patinated bronze, steel

Courtesy of the artist and carlier | gebauer, Berlin/Madrid
Photo © Sebastiano Pellion di Persano

Diego Delas, Sequoia Scavullo und Paolo Salvador entwickeln in der Malerei eigene, oft traumhaft verschobene Bildwelten, in denen Tierisches und Menschliches ineinanderfließen. Thibault Hiss, Jelena Bulajić und David Zink Yi schließlich erweitern das Feld um skulpturale, keramische und installative Zugänge, die das Tier als Materie, als Klang, als Präsenz im Raum begreifbar machen.

Was diese sehr unterschiedlichen Haltungen verbindet, ist der Verzicht auf einfache Antworten. Keine der Arbeiten belehrt, keine moralisiert eindimensional. Stattdessen öffnen sie einen Raum, in dem Nähe und Distanz, Zärtlichkeit und Gewalt, Wissenschaft und Mythos nebeneinander bestehen dürfen – so widersprüchlich, wie unser tatsächliches Verhältnis zum Tier nun einmal ist.

Am Ende bleibt eine Ausstellung über das Sehen selbst: über den Blick, den wir auf das Tier werfen, und über das, was uns aus diesem Blick entgegenkommt – eine Ausstellung über das Betrachten von Tieren, und darüber, was zurückblickt.