Gallery Portrait
Guido W. Baudach

von Kito Nedo

Seine Galerie funktioniere eher wie ein „Programmkino“ sagt Guido Baudach. „Ich wollte nie eine Bank oder ein Kaufhaus betreiben.“ Unabhängigkeit und Beweglichkeit sind ihm wichtig, Konzentration auf das Wesentliche und programmatische Wendungen. So gelingen ihm immer wieder überraschende Ausstellungen. Dazu zählt die Gruppenausstellung Auto-Paragone (2026), die unterschiedliche künstlerische Positionen miteinander in Beziehung setzt und zentrale Fragen nach Bild, Material und Wahrnehmung verhandelt.

Installation view AutoParagone. Tamina Amadyar, Thomas Helbig, Andy Hope 1930, Hinako Miyabayashi & Markus Selg, Galerie Guido W. Baudach, 2026
Courtesy: the artists and Galerie Guido W. Baudach, Berlin

Tamina Amadyars Bilder zum Beispiel reflektieren Räume und Bewegungen. Das passt zu Baudach.. Denn der programmatische Raumbezug zieht sich wie ein roter Faden durch das Portfolio, genauso wie durch die Geschichte der Galerie. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in den wilden Neunzigern, als die kulturelle Beschleunigung Berlins vor allem von Zwischen- und Umnutzungen im ehemaligen Ostteil bestimmt war. Aus leerstehenden Geschäfts- und Industriearchitekturen wurden manchmal über Nacht Bars, Clubs, Ateliers oder Galerien.

Ursprünglich war Baudach Mitte der Neunziger aus Köln nach Berlin gekommen, um eine geisteswissenschaftliche Dissertation abzuschließen und eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Doch im Frühjahr 2000 wurde er zum alleinigen Betreiber der „Maschenmode“. Ein im Wochentakt wechselndes Ausstellungsprogramm machte den Projektraum schnell zu einem Fixpunkt der Szene. Für zusätzlichen Schub sorgte der vom ehemaligen Städelschüler Thomas Zipp initiierte Künstlertreff „Dirt“ nebenan. Der Name der spartanischen Bar korrespondierte mit dem Konzept. Ein ursprünglich weiß getünchter, fast dunkler Raum diente nachts zum gemeinschaftlichen Biertrinken und Musikhören und schmutzte allmählich ein. Das „Dirt“, das auch zur Querfinanzierung der Maschenmode-Ausstellungen beitrug, wurde nur sechs Monate alt.

Exhibition- and Project Space Maschenmode, Berlin-Mitte, 2000

dirt, Berlin-Mitte, 2001

Zipp und andere Künstler waren es auch, die Baudach im Frühjahr 2001 dazu ermutigten, vom Betreiber eines non-kommerziellen Projektraums zum Galeristen zu mutieren. Warum auch eine Galerie suchen, wenn man selber eine starten konnte? Bis heute werden zahlreiche Künstler der Gründungsphase wie genannter Thomas Zipp oder auch Andy Hope 1930, Markus Selg und Björn Dahlem von Baudach vertreten. Sie prägten mit ihrer Kunst in der Frühzeit das Profil maßgeblich. Die Internationalisierung fiel mit dem Kunstboom um 2005 zusammen. Baudach organisierte Ausstellungen mit Bildern des Norwegers Bjarne Melgaard, mit Videos des Holländers Erik van Lieshout sowie der amerikanischen Videokünstlerin Aïda Ruilova. Früh holte er die Konzeptkunst des in New York lebenden Rashid Johnson in die deutsche Hauptstadt.

Seit 2013 zeigt der Galerist nun Kunst an der Potsdamer Straße. Davor betrieb er seine Galerie zeitweise auch in einer rund fünfhundert Quadratmeter großen Industriehalle in Berlin-Wedding. Die Frage „Industrieloft oder Kabinett?“ hat er auf seine Weise beantwortet. „Beides hat seinen Reiz.“ Doch lieber als über sich selbst spricht er über Kunst.
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Björn Dahlem, The Milky Way
Exhibition view Galerie Guido W. Baudach, Berlin-Wedding, 2007

Bjarne Melgaard, The Night Within Us
Exhibition view Galerie Guido W. Baudach, Berlin-Charlottenburg, 2011