Maximilian Rödel
Verdichtung
4 JUL bis 22 AUG 2026
Opening – 3 JUL 2026, 18-21 Uhr
Maximilian Rödel
Rift VII, 2026
Oil on jute
135×115 cm
53⅛×45¼ in
Unique
Courtesy of the artist and Tanya Leighton, Berlin and Los Angeles
Copyright: Copyright the artist
Photo: Nick Ash
„Ich versuche Bilder für mich zu lösen, was am Ende entsteht, weiß ich nie. Wenn ich beim Malen etwas im Bild erkenne, das eine Erinnerung in mir auslöst, die mir vorher nicht bewusst war, ist es fertig. Dieser freigelegte Punkt kehrt das Bild in etwas objektiv Wahrnehmbares um. Mein Ziel ist es, diese Inspiration möglichst genau abzubilden.“
— Maximilian Rödel
Maximilian Rödel
Bridge XXIII (melt), 2026
Oil on jute
200×170 cm
78¾×66⅞ in
Unique
Courtesy of the artist and Tanya Leighton, Berlin and Los Angeles
Copyright: Copyright the artist
Photo: Nick Ash
Tanya Leighton freut sich mit „Verdichtung“ die erste Einzelausstellung von Maximilian Rödel in der Galerie zu präsentieren.
Die Ausstellung vereint neue Gemälde aus den Werkgruppen Bridges und Rift, die zuletzt im Indigo Museum in Ahmedabad (Indien) zu sehen waren. In ihnen setzt der Künstler seine langjährige Auseinandersetzung mit den materiellen und wahrnehmungsästhetischen Bedingungen der Malerei fort. Im Zentrum steht nicht das Bild als Träger einer Erzählung, sondern die Farbe selbst – ihre Dichte, ihre räumliche Wirkung und ihre Fähigkeit, Zeit im Medium der Malerei zu speichern.
Rödels Malerei löst die Farbe von ihrer traditionellen Funktion als Mittel der Darstellung und macht sie zum eigentlichen Bildgegenstand. Seine großformatigen Gemälde bewegen sich an der Schnittstelle von Abstraktion und Wahrnehmung und eröffnen Bildräume, die sich einer eindeutigen Lesbarkeit entziehen. Was zunächst als monochrome Setzung erscheint, entfaltet bei längerer Betrachtung ein komplexes Gefüge aus fein nuancierten Farbschichten, Lichtphänomenen und atmosphärischen Übergängen. Die Leinwand wird zu einem offenen Wahrnehmungsraum, dessen Grenzen über das Bildformat hinausreichen.
Maximilian Rödel
not yet titled, 2026
Oil on jute
180×135 cm
70⅞×53⅛ in
Unique
Courtesy of the artist and Tanya Leighton, Berlin and Los Angeles
Copyright: Copyright the artist
Photo: Nick Ash
Maximilian Rödel
Bridge XVIII, 2026
Oil on jute
200×170 cm
78¾×66⅞ in
Unique
Courtesy of the artist and Tanya Leighton, Berlin and Los Angeles
Copyright: Copyright the artist
Photo: Nick Ash
Die Arbeiten entstehen in einem langsamen Prozess des Schichtens und Überarbeitens. Pigmente werden aufgetragen, verdichtet, wieder geöffnet und neu miteinander in Beziehung gesetzt. Die Oberfläche erscheint dabei nicht als abgeschlossener Zustand, sondern als sichtbares Resultat zahlreicher Bewegungen, Korrekturen und Überlagerungen. Jede Schicht bewahrt die Erinnerung an die vorherige, ohne sie vollständig preiszugeben.
Diese Vielschichtigkeit zeigt sich nicht allein auf der Bildfläche. Auch die Seiten der Leinwände werden zu einem eigenständigen Teil der malerischen Erfahrung. Hier treten die unterschiedlichen Farbschichten offen zutage und machen den Aufbau der Arbeiten als räumlichen Prozess sichtbar. Je nach Standpunkt verschieben sich Farbwirkung und Tiefenstruktur; die Gemälde entziehen sich einer festen Ansicht und entwickeln ihre Präsenz im Wechselspiel von Bewegung, Licht und Betrachtung.
Ihre Titel Bridges und Rift beschreiben dabei weniger einzelne Motive als unterschiedliche Zustände des Übergangs – Momente, in denen Verbindung und Trennung, Kontinuität und Unterbrechung gleichzeitig wirksam werden. Farbige Zonen nähern sich einander an, lösen sich voneinander oder durchdringen sich, ohne je in eine stabile Ordnung überzugehen.
Verdichtung beschreibt hier keinen Zustand der Reduktion, sondern einen Prozess der Intensivierung. Unterschiedliche Zeitlichkeiten und materielle Ebenen überlagern sich; Farbe erscheint dabei nicht als Mittel zur Beschreibung der Welt, sondern als eigenständige Form des Denkens – ein Medium, in dem sich Material, Licht und Wahrnehmung zu einer unmittelbaren Erfahrung verdichten. Als Form der Sedimentation verschränkt die Malerei Dauer, Geste und Wahrnehmung und bringt ein Bild hervor, das weniger dargestellt als erfahren werden will.
Rödels Werk steht in einer malerischen Tradition, die der Autonomie der Farbe und der physischen Präsenz des Bildes besonderes Gewicht verleiht, ohne deren historische Positionen zu wiederholen. Intuitiver Prozess und präzise Komposition bleiben in seinen Arbeiten untrennbar miteinander verbunden. Aus dieser Spannung entwickelt sich eine Bildsprache, die gleichermaßen gegenwärtig wie zeitlos wirkt und die elementaren Voraussetzungen der Malerei – Pigment, Licht, Oberfläche und Wahrnehmung – immer wieder neu zur Disposition stellt.
Maximilian Rödel (*1984, Braunschweig) lebt und arbeitet in Berlin.
Zu seinen jüngsten Einzelausstellungen zählen An Ocean in a Drop im Indigo Art Museum, Ahmedabad, Indien (2026); Bridges in der Galerie Rüdiger Schöttle, München (2025); Arcane Dust bei Carvalho Park, New York (2024); Radiations in der Galerie Rüdiger Schöttle, München (2023); Story Of The Forgotten Lights im Kunstverein Arnsberg sowie Phantom Skies bei Carvalho Park, New York (beide 2022); und Celestial Artefacts im NAK, Aachen (2021).
Zu den ausgewählten Gruppenausstellungen gehören Galerie Du Monde, Hongkong; Kunstverein Arnsberg; Zeller van Almsick, Wien; NAK, Aachen; Kunstverein Hannover; sowie im Indianapolis Museum of Contemporary Art (IMOCA), Indianapolis.