The warmth we carry
With works by Ai Weiwei, Pawel Althamer, Thomas Bayrle, James Benning, Billy Childish, Olafur Eliasson, Cevdet Erek, Andreas Eriksson, Noa Eshkol, Mario García Torres, Thilo Heinzmann, Udomsak Krisanamis, Sharon Lockhart, Mike Nelson, Jorge Pardo, Tobias Rehberger, Tomás Saraceno, Simon Starling, Thaddeus Strode, Rirkrit Tiravanija, Haegue Yang
21 NOV 2026 bis 13 FEB 2027
Opening – 20 NOV 2026, 5-8 pm
At Linienstraße 155, 10115 Berlin
Zu Beginn der kalten Jahreszeit öffnet sich die Gruppenausstellung the warmth we carry bei neugerriemschneider als besinnlicher Ort der Einkehr und des Austauschs. Die Präsentation vereint selten gezeigte Werke von Künstler*innen der Galerie, die räumlich gruppiert oder an der Wand auf eine gemeinsame Höhe zusammengeführt sind, wodurch sie den Blick lenken und den Horizont für die Zukunft öffnen. Mit ihrer Zugänglichkeit laden die Arbeiten sowohl zur kontemplativen Rezeption als auch zum geselligen Beisammensein ein, die in Zeiten flüchtiger Inhalte und Interaktionen intellektuelle und zwischenmenschliche Tiefe ermöglichen.
Udomsak Krisanamis,
Chandelier, 2006,
aluminum bowls, light fixtures, light bulbs,
ca. 125 x ⌀ 70 cm
© Udomsak Krisanamis.
Courtesy the artist and neugerriemschneider, Berlin.
Photo: Jens Ziehe, Berlin
Die Ausstellung entfaltet sich im Hauptraum der Galerie als Dialog zwischen hängenden oder frei stehenden Skulpturen mit friesartig angeordneten mehrteiligen Arbeiten und Werkgruppen. Udomsak Krisanamis’ Chandelier (2006), ein Kronleuchter aus Aluminiumschalen, die in der thailändischen Heimat des Künstlers weit verbreitet sind und vielseitig verwendet werden, bildet das Zentrum eines Ensembles von Arbeiten, in denen das Medium Lichtskulptur aus unterschiedlichen Blickwinkeln reflektiert wird. Während Olafur Eliassons Striped eye lamp (2005) durch eine einfache Stahlkonstruktion mit Farbeffektfiltergläsern die Wahrnehmung von Licht, Farbe und Raum herausfordert, schafft Mario García Torres mit La política de la ceptación (The Politics of Acceptance) (2020) ein abstraktes Gemälde in Form eines Lampenschirms. In Haegue Yangs Mesmerizing Pagoda Lantern – Cabbage-Butterfly Aquatic Ultramundane Flowers (2023) und Jorge Pardos Untitled (2009) strahlt das Licht durch die Öffnungen einer mehrschichtigen Struktur – bei Yang ein Verweis auf die reich verzierten Laternen, die in schamanistischen und buddhistischen Ritualen zur Begleitung Verstorbener auf ihrer Reise ins Jenseits genutzt werden, und bei Pardo ein Komplex aus dreißig Lamellen, der das Porträt eines Mitarbeitenden aus dem Atelier des Künstlers bildet. Zwischen diesen buchstäblich körperlichen Arbeiten werden figurative und narrative Skulpturen im kleinen Maßstab gezeigt. Andreas Eriksson verewigt in dem Bronzeguss Content is a Glimpse 93 (2024) einen Vogel, der infolge eines Aufpralls gegen sein Atelierfenster gestorben ist, und Thomas Bayrles Parkhaus Köln [Ausg. B] (2009) ist eine Verschränkung von Buch und Skulptur in der für den Künstler typischen Nachbildung einer Verkehrsinfrastruktur. Pawel Althamers Selbstporträt retrospective (edition for parkett 82) (2008) repräsentiert den Künstler in Form von zwölf Zinnfiguren in einem handgefertigten Koffer zu verschiedenen Zeitpunkten seines Schaffens. Die Keramikarbeit Baradziejki (2025) basiert auf einer Fotografie, die seine Mutter als Kind mit ihren Schwestern kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Zentrum Warschaus zeigt.
Pawel Althamer,
Baradziejki, 2025,
glazed ceramic,
50 x 32 x 19 cm.
© Pawel Althamer.
Courtesy the artist and neugerriemschneider,
Berlin.
Photo: Jens Ziehe, Berlin
Haegue Yang,
Mesmerizing Pagoda Lantern – Cabbage-Butterfly Aquatic Ultramundane Flowers, 2023,
birch plywood, wood stain,
stainless-steel fully threaded bolt, stainless-steel components, steel wire rope, led bulb, cable, hanji, powder-coated stainless steel
and pvd-coated stainless steel bells, split rings, leather cord,
116 x 70 x 70 cm.
© Haegue Yang.
Courtesy the artist and
neugerriemschneider, Berlin
An der Wand ist zudem Althamers Figurenensemble Nowolipie Group Group (2022) zu sehen. Sie stellt die Mitglieder der titelgebenden Gruppe dar, die auf Kreativkurse des Künstlers für Menschen mit Multipler Sklerose zurückgeht und mit der er sich bis heute regelmäßig zum gemeinsamen gestalterischen Arbeiten trifft. Die acht Siebdrucke von Erikssons Snowfall in Reverse (2022) zeigen auf den ersten Blick abstrakte Kompositionen in Schwarz und Weiß, in denen bei genauerer Betrachtung unter dieser binären Farbschicht jedoch verschiedene Töne durchscheinen. Thaddeus Strode reflektiert in den Zeichnungen seiner Serie landscapes on the drift/pelican thoughts (alle 2010) philosophische Fragen mit minimalistischen Mitteln, und Rirkrit Tiravanija hat für seine demonstration drawings (alle 2007) Studierende und junge Künstler*innen aus Thailand beauftragt, Pressefotografien von Protesten aus der International Herald Tribune abzuzeichnen, um die Geschichte des zivilgesellschaftlichen Engagements und dessen aktuelle Relevanz zu untersuchen.
Sharon Lockhart,
A Bundle and Five Variations: Variation I, Five Bronze Sticks, 2018,
bronze, 5 parts,
overall: 10.5 x 94 x 20.5 cm.
© Sharon Lockhart.
Courtesy the artist and neugerriemschneider, Berlin.
Photo: Jens Ziehe, Berlin
Mike Nelsons Skulpturen aus der Serie Trophy Head (beide 2022), die vom Künstler getragene Baseballkappen wie Trophäen präsentieren, verbinden den Hauptraum der Galerie mit dem zweiten Bereich der Ausstellung, wo die friesartige Hängung durch einen horizontalen Wandteppich von Noa Eshkol aufgegriffen wird. In dessen Nachbarschaft sind kleinformatige Skulpturen von Billy Childish, Thaddeus Strode und Tobias Rehberger sowie James Bennings dreiteilige Arbeit After Missouri Pettway (2013) zu sehen, welche die abstrakte Quilt-Kunst der afroamerikanischen Gemeinschaft in Gee’s Bend mit Piet Mondrians neoplastizistischen Bildern in Verbindung bringt. Das Licht geht hier von zwei Skulpturen aus, in denen sich Simon Starling auf italienisches Design bezieht, während ein Kabinett mit Werken von Ai Weiwei, Olafur Eliasson, Cevdet Erek, Thilo Heinzmann, Sharon Lockhart, Tomás Saraceno und Rirkrit Tiravanija das Ausstellungskonzept von the warmth we carrydurch Nähe verdichtet, die dazu einlädt, neue Perspektiven einzunehmen.