Thaddeus Strode
stairway to somewhere: a soundtrack
4 JUL bis 15 AUG 2026
Opening – 3 JUL 2026, 18- 21 Uhr
At Linienstrasse 155, 10115 Berlin
Thaddeus Strodes 13. Einzelausstellung bei neugerriemschneider, stairway to somewhere: a soundtrack, verbindet Referenzen aus Massenmedien, Philosophie, Kunstgeschichte, Film, Illustration und Surfkultur zu einem gemalten Mixtape. Gezeigt werden neue Bilder, die figürliche und schriftliche Elemente auf Leinwänden kombinieren, deren Größe mit dem menschlichen Maßstab korrespondiert. Ihre Sujets – Leben, Tod und Wiedergeburt, Transformation und Transzendenz – setzen sich in einem überdimensionalen Modell eines Schiffes und in geisterhaften Gegenständen fort, deren blaue Farbgebung an einen Bluescreen erinnert, wie er in der Videografie genutzt wird. Dieses Ensemble wird durchdrungen von den Klängen einer E-Gitarre, die der Künstler zur Ausstellungseröffnung aktiviert und von den Besuchenden während der gesamten Dauer der Präsentation gespielt werden kann.
Thaddeus Strode,
High Desert Choir Sings While Burning Incense (tin can painting), 2026,
acrylic polymer on canvas,
180 x 105 cm
© Thaddeus Strode.
Courtesy the artist and neugerriemschneider, Berlin. Photo: Jens Ziehe, Berlin
Seit Beginn seines Schaffens malt Strode Hommagen an die Bilderwelten seiner Heimat Kalifornien. In den ausgestellten Arbeiten greift er ihren musikalischen Hintergrund auf – Boomboxen am Strand, Autoradios, Straßenkünstler*innen auf der Promenade – und verzerrt ihn durch den Filter der Zeit. Die Werke sind von der dadaistischen Cut-up-Technik inspiriert, bei der gedruckter Text zerschnitten und neu zusammengesetzt wird, sowie von Prinzipien der Musique concrète aus manipulierten Aufnahmen und akustischer Rückkopplung. Daneben ist der Beatles-Song „Revolution 9“ von Bedeutung, den John Lennon als Versuch bezeichnete, „eine Revolution zu malen“, der jedoch stark der subjektiven Interpretation unterworfen ist. Diese Bezüge verbinden sich in der Ausstellung mit intuitiv aufgetragenen Farbflächen, Textfragmenten und schwarz umrissener Gegenständlichkeit zu assoziationsreichen Szenen, die in einer vertrauten Welt das Unbestimmte beleuchten.
stairway to somewhere: a soundtrack besteht aus einem gleichberechtigten Ganzen aus Gemälden, skulpturalen Objekten und Klängen, die sich gegenseitig beeinflussen. Das Hochformat der Bilder ermöglicht eine Begegnung mit ihren Figuren auf Augenhöhe. Es entsteht der Eindruck von Spiegeln, deren Reflexionen auf beunruhigende Weise zur Identifikation auffordern. In den Kompositionen vermischen sich Chronologien und Realitäten, während die Leichtigkeit der comicartigen Darstellungen mit der Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit kontrastiert, mit der Strode sie auf die Leinwand bringt.
Thaddeus Strode,
Get Rid of Your Body, 2026,
ink, watercolor, acrylic on paper,
165 x 106 cm
© Thaddeus Strode.
Courtesy the artist and neugerriemschneider, Berlin.
Photo: Jens Ziehe, Berlin
Als Teil einer unsichtbaren Hilfsflottille und gespenstische Präsenz aus einer anderen Welt, ragt inmitten dieser gemalten Werke die Skulptur Gone From My Sight (Dimensional Flotilla) (in chroma key television blue) (2026) in Form eines Schiffs aus der Wand hervor. Von kleinerer Größe sind die zerdrückten Dosen, Transistorradios, Möwen und Räuchergefäße, die als Indikatoren für Zeit und Vergänglichkeit autobiografische Konnotationen bergen. Sowohl das Schiff als auch dieses vermeintliche Strandgut sind vollständig in dem Blau von Bluescreens gehalten: speziell getönte Hintergründe, deren Bestimmung es ist, durch digitale Bilder ersetzt zu werden. Die Farbgebung spiegelt Immaterialität wider. Sie existiert, um zu verschwinden, und impliziert zugleich eine Unendlichkeit an Perspektiven – eine Oberfläche, auf die Erinnerungen projiziert werden können. Die akustische Komponente von stairway to somewhere: a soundtrack stammt von einer E-Gitarre und einem Verstärker. Das elektrische Summen des letzteren geht beim Spielen des Instruments in Töne über, die den Raum akustisch einfärben. Darüber hinaus gewinnt die Ausstellung durch eine Playlist, die von Strode zusammengestellt wurde, an Gestalt. So bilden die einzelnen Bestandteile der Präsentation einen multimedialen Soundtrack, der die gelebte Vergangenheit mit der unbestimmten Zukunft verschmilzt.
Werke von Thaddeus Strode (geb. 1964) wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen internationaler Museen und Institutionen gezeigt, darunter Kunsthaus Zürich, Zürich (2022); me Collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht, Berlin (2015); Villa Schöningen, Potsdam (2014); 21er Haus, Belvedere, Wien (2013); Musée d’art contemporain de Montréal, Montreal (2008); Mildred Lane Kemper Art Museum, St. Louis (2008); Museum of Contemporary Art, North Miami (2008); Museum of Contemporary Art Chicago, Chicago (2007); Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe (2007); Sammlung Goetz, München (2006); Staatsgalerie Stuttgart, Stuttgart (2004); Kunsthalle Wien, Wien (2003); Kunstverein Heilbronn, Heilbronn (2000); Kunsthal Charlottenborg, Kopenhagen (1997); Museum Ludwig, Köln (1996); Los Angeles County Museum of Art, Los Angeles (1996); Museum of Contemporary Art, Los Angeles (1994), und Künstlerhaus Bethanien, Berlin (1993). Strode lebt und arbeitet in Los Angeles.