DISPLAY, PAUSE, REPEAT im KaDeWe
kuratiert von Sebastian Hoffmann
KaDeWe x Gallery Weekend Berlin 2026
Ausstellung DISPLAY, PAUSE, REPEAT
„Das KaDeWe wird anlässlich des Gallery Weekends Berlin bereits zum zweiten Mal in Folge zu einem besonderen Ausstellungsort. Unter dem Titel DISPLAY, PAUSE, REPEAT wird die gesamte Schaufensterfront entlang der Tauentzienstraße mit Kunst bespielt – konsequent ohne Produkte, ohne klassische Warenpräsentation. Somit entstehen Räume, die ganz dem Zweck – oder Nichtzweck – der Kunst überlassen werden.
Diese Idee folgt einer Geschichte: Schon seit den 1930er-Jahren ist das Schaufenster ein künstlerisches Medium, etwa für Dalí, der Schaufenster in New York gestaltete und dabei die Grenze des Raums selbst bearbeitete – buchstäblich und weil, wütend ob nicht autorisierter Veränderungen, sogar eine der Scheiben bei Bonwit Teller zerbrach. In den 1950er- und 60erJahren waren es dann Andy Warhol, Robert Rauschenberg und andere, die das Format weiter verschoben haben. Und Ende der 1970er-Jahre schließlich Lynn Hershman Leeson, die lange als diejenige galt, die Schaufenster vollständig ohne Produkte aus dem Haus gestaltet hat – auch wenn ihre Figuren tatsächlich noch Kleidung aus dem Geschäft trugen.
KaDeWe Exhibition DISPLAY, PAUSE, REPEAT for Gallery Weekend Berlin 2026
©Ludger Paffrath
Schaufenster sind eigentümliche Räume. Sie sind dreidimensional angelegt, und lassen sich nur von außen betrachten – wie ein Bühnenraum, den man nicht betreten kann. In diesem Sinn ist das Schaufenster ein Raum mit drei Dimensionen und dabei ,einansichtig‘, wie ein Bild. So gleicht es einem Diorama, einem Guck- oder Schaukasten. In der Folge entstehen verschiedene Betrachtungsweisen der Besucher*innen der Ausstellung: Es gibt passive Passant*innen und die aktiven Besucher*innen, die die direkte Nähe der Schaufenster suchen und sich eines nach dem anderen anschauen. Wie der Vater, der mehrere Tage hintereinander mit seiner Tochter kam, und die beiden haben sich jedes Mal ein neues Lieblingsschaufenster ausgesucht – jeden Tag ein neues. Zum Gallery Weekend 2025 gab es eine Vielzahl ähnlicher interaktiver Situationen am KaDeWe.
Bei der Konzeption der diesjährigen Ausstellung lag in der Folge die Frage zugrunde: wie kann sich ein Werk, eine Bewegung oder ein Raum über einen gewissen Zeitraum entwickeln? Der Titel DISPLAY PAUSE REPEAT verweist deshalb auf eine zeitliche Struktur. Die einzelnen Installationen sind keine klassischen Performances – und doch entfalten sie sich über die Dauer der Betrachtung. Die Bewegung entsteht durch die Umgebung: durch Passant*innen, durch Verkehr, durch Spiegelungen im Glas. Abläufe wiederholen sich, verschieben sich, überlagern sich. Die Kunst reagiert darauf – und setzt zugleich einen Kontrapunkt.
Die Tauentzienstraße gehört zu den belebtesten Orten der Stadt. Menschenströme, Autos, Busse, Licht, Werbung – alles ist in ständiger Bewegung. In dieser dichten visuellen Situation entsteht mit den künstlerischen Schaufenstern ein Moment der Unterbrechung. Etwas, das nicht nur Aufmerksamkeit bindet, sondern auch verlangsamt.
Gleichzeitig ist diese Form der Ausstellung besonders zugänglich. Es gibt keine Schwelle zu einem geschlossenen Ausstellungsraum, kein Ticket, keinen Eintritt. Die Ausstellung findet im Vorübergehen statt – und kann doch zu einem bewussten Anhalten führen. So verbindet das KaDeWe zwei Welten: den Alltag eines urbanen Ortes und die konzentrierte Wahrnehmung von Kunst.
DISPLAY, PAUSE, REPEAT macht diesen Übergang sichtbar – als Einladung, für einen kurzen oder einen langen Moment stehen zu bleiben und sich Kunst- und Zeiträumen zu widmen.“
Text von Sebastian Hoffmann
KaDeWe Exhibition, DISPLAY, PAUSE, REPEAT, Gallery Weekend Berlin 2026
Fassade
©Ludger Paffrath
KaDeWe x Gallery Weekend Berlin 2026
In-store
Heiner Franzen
Courtesy of Ebensperger
©Ludger Paffrath
„Das Kaufhaus des Westens liegt am Wittenbergplatz, an der Tauentzienstraße, gewissermaßen die westliche Verlängerung des Kurfürstendamms. Es ist immer ein bisschen lustig, vom ,Berliner KaDeWe‘ zu sprechen, weil es ja nur dieses eine gibt. Ich wohne in der Nähe und bin sehr oft dort. Es gibt Wochen, an denen ich mehr Tage hier bin als Tage, an denen ich nicht herkomme. Ich nutze das Haus auch als Ort zum Spazierengehen und als sozialen Ort. Ich treffe mich hier viel, verbringe aber auch Zeit allein – so wie man das in einem Park macht, auf der Straße oder im Museum.
Ich habe mehrere Museumsjahreskarten in verschiedenen Städten. Das ist etwas Schönes, weil man so sehr entspannt mit diesen Orten umgehen kann. Man geht in die Häuser, also in die Museen, und hat nicht diesen starken Bildungsauftrag an sich selbst. Man kann durchgehen, sich einem Bild widmen oder zweien – und dann wieder gehen. Also wirklich ein Spaziergang.
Und genau das mache ich auch im KaDeWe. Statt der Jahreskarte gibt’s die Kundenkarte. Hier sind es dann keine Bilder oder Skulpturen, sondern andere Gegenstände, andere Orte oder auch Menschen. Wobei es im KaDeWe durchaus auch Kunstwerke gibt: Es gibt eine kleine Picasso-Keramik, Warhols und viele Elemente im Haus – Spiegel, Neoneinfassungen, Geländer, Möblierungen –, die in Gedanken Kunstwerke sein könnten aus dem Kanon der Kunst des 20.
Jahrhunderts, etwa von Dan Graham, Dan Flavin oder Donald Judd, was man will.“
– Sebastian Hoffmann über seine Verbindung zum KaDeWe