Thomas Demand
1 MAI bis 1 AUG 2026
Opening – 1 MAI 2026, 18-21 Uhr
Thomas Demand ist vor allem bekannt für seine Fotografien einzigartiger Papiermodelle, die Schauplätze von historischer, politischer und kultureller Bedeutung sowie alltägliche Momente rekonstruieren. Anlässlich des Gallery Weekend Berlin präsentiert Sprüth Magers eine Einzelausstellung neuer Werke von Demand. Im Jahr 2025 begann er mit einer neuen Technik zu arbeiten: kleinformatige Aufnahmen, die auf Kupfer gedruckt werden. Das Material ist tief in der Kunstgeschichte verwurzelt: Im 15. Jahrhundert wurden die Techniken der Metallgravur aus dem
Goldschmiedehandwerk auf Kupferplatten übertragen, um reproduzierbare Drucke herzustellen; im 16. Jahrhundert folgte die Radierung auf Kupfer. Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts erfreute sich Kupfer auch als Bildträger großer Beliebtheit – so bei Künstlern wie Jan Brueghel dem Älteren, Adam Elsheimer, David Teniers dem Jüngeren und Nicolas Poussin. Seine glatte Oberfläche eignete sich hervorragend für feinste Details, und seine Beständigkeit schützte das Werk vor manchen der Verfallserscheinungen, die mit Leinwand oder Holz einhergehen. Im 19. Jahrhundert diente Kupfer auch als Träger der Daguerreotypie, des ersten kommerziell erfolgreichen fotografischen Verfahrens, bei dem durch Lichteinwirkung auf eine versilberte Platte ein Bild erzeugt wurde. Kupfer ist somit ein Material, das die Geschichte sowohl der Malerei als auch der Fotografie in sich vereint.
Thomas Demand
Money, 2025
UV-Print on copper
85 × 64 cm | 33 1/2 × 25 1/8 inches
© Thomas Demand, VG Bild-Kunst, Bonn
Courtesy Sprüth Magers
Das erste dieser neuen Bilder, Klee (2025), zeigt eine Nahaufnahme eines Kleefeldes – jener dreiblättrigen Pflanze, die traditionell als Emblem des Heiligen Patrick von Irland und der Dreifaltigkeit gilt. Zwischen den ausgeschnittenen Formen findet sich gelegentlich auch die vierblättrige Variante, eine seltene Abweichung, die seit Langem als Glücksbringer angesehen wird. In Schilf (2025) hat Demand eine Sumpf- und Wasserlandschaft sorgfältig nachgebildet und dabei die gestaffelte Tiefenwirkung, die tonalen Abstufungen und die organischen Formen des Schilfrohrs eingefangen. Die scheinbar reflektierende Fläche im unteren Bildbereich, die an die sanfte Verzerrung gefrorenen Wassers erinnert, besteht vollständig aus Papier – was die visuelle Ambiguität des Werkes weiter steigert. Paperstars (2025) zeigt weiße Sterne, die eine perforierte Akustikdecke schmücken, wie sie in öffentlichen Gebäuden zu finden ist, und auf einen festlichen Anlass verweisen. Allen drei Werken liegt ein so allgegenwärtiges Bildvokabular zugrunde, dass die Betrachtenden unweigerlich eigene Assoziationen und Erinnerungen in sie hineintragen. Money (2025) basiert auf einem Standbild aus dem bizarren, KI-generierten Video, das Donald Trump Anfang 2025 veröffentlichte und in dem er seinen „Gaza-Riviera“-Plan propagierte. Darin wirft eine dem Milliardär Elon Musk ähnelnde Figur vor einem Sonnenuntergangshimmel Geldscheine in die Luft – ein Bild, das Demand verdichtet, von Hand nachbaut und dabei die künstliche Bildwelt in greifbare Materie zurückführt.
Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind zwei großformatige UV-Drucke auf Acrylglas. Melonen (2025) geht auf eine Pressefotografie zurück, die beschlagnahmte, als Melonen getarnte Schmuggelware dokumentiert: künstliche Früchte, die Methamphetamin enthielten und an der amerikanisch-mexikanischen Grenze sichergestellt wurden. In einem völlig anderen Zusammenhang war die Wassermelone zur gleichen Zeit als Symbol der Solidarität mit Palästina im Umlauf. Die Fotografie erinnerte Demand zudem an Henri Matisses Die Marokkaner (1915–16), und wie diese vielschichtigen Assoziationen nahelegen, kann die Bedeutung von Bildern sich im Laufe der Zeit wandeln und vervielfältigen. Eis (2025) veranschaulicht dies in gleicher Weise. Die Aufnahme zeigt die Oberfläche eines grönländischen Eisbergs mit markant gemusterten Gletscherspalten, ein Bildmotiv, das heute unweigerlich den Klimawandel und das Abschmelzen der Gletscher evoziert. Die Arktis, einst in der Fotografie als raue und lebensfeindliche Umgebung dargestellt, ist zum romantischen Sinnbild einer bedrohten, im Verschwinden begriffenen Landschaft geworden.
Thomas Demand
Cavity, 2025
UV print on copper
64 × 68 cm | 25 1/8 × 26 3/4 inches
©Thomas Demand
Courtesy Sprüth Magers
Mit solchen konstruierten Welten befragt der Künstler die Paradoxien der Wahrnehmung und lotet aus, wie wir unsere Umgebung lesen, wie wir sie erinnern und auf welche Weise wir von dem beeinflusst und manipuliert werden, was wir zu sehen glauben. Ob er die zufälligen Konstellationen der Natur oder KI-generierte dystopische Visionen einfängt: Demands Werk navigiert souverän den Raum zwischen Skulptur und Fotografie, Illusion und Abbild, Wirklichkeit und Deutung.
Thomas Demand
Paperstars, 2025
UV print on copper
80 × 60 cm | 31 1/2 × 23 5/8 inches
©Thomas Demand
Courtesy Sprüth Magers
Thomas Demand
Books, 2025
UV print on copper
85 × 58 cm | 33 1/2 × 22 7/8 inches
©Thomas Demand
Courtesy Sprüth Magers
Thomas Demand (*1964, München) lebt und arbeitet in Berlin. Rooms That Dream of the Past, eine Einzelausstellung neuer Model Studies von Demand, wird am MAK, Wien, gezeigt (27. Mai 2026–24. Januar 2027). Ebenfalls in Wien eröffnet Passant parmi les Pierres, eine von Demand kuratierte Gruppenausstellung, am fjk3 – Raum für zeitgenössische Kunst, und läuft vom 29. Mai bis 13. September 2026. Eine bedeutend Retrospektive, The Stutter of History, eröffnet am 21. August 2026 in der Fundación PROA, Buenos Aires, nachdem sie zuvor im Taipei Fine Arts Museum (2025), im Museum of Fine Arts, Houston (2024), im Jeu de Paume, Paris (2023), im Israel Museum, Jerusalem (2023–24) sowie im UCCA Edge, Shanghai (2022) zu sehen war. Weitere ausgewählte Einzelausstellungen umfassen das Museum of Contemporary Art, Toronto (2022), das Centro Botín, Santander, das Garage Museum of Contemporary Art, Moskau (beide 2021), die Fondazione Prada, Venedig (2017, 2007), das Modern Art Museum of Fort Worth (2016), das Los Angeles County Museum of Art (2015), das Museum of Contemporary Art, Tokio (2012), die Neue Nationalgalerie, Berlin (2009), die Hamburger Kunsthalle (2008), die Serpentine Gallery, London (2006), das Museum of Modern Art, New York (2005), den Kunsthaus Bregenz (2004), das Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk (2003) sowie das Castello di Rivoli, Turin (2002). Deutschland vertrat er bei der 26. Biennale de São Paulo in Brasilien im Jahr 2004.
Robert Elfgen
utopisch
1 MAI bis 1 AUG 2026
Opening – 1 MAI 2026, 18-21 Uhr
Das Werk Robert Elfgens erkundet das Verhältnis zwischen Mensch und Natur durch eine ausgeprägt mythische, poetische Perspektive. Seine Assemblagen, Collagen, Lichtobjekte sowie Boden- und Wandarbeiten fügen sich häufig zu raumgreifenden Installationen zusammen, die begehbaren Gemälden gleichen. Anlässlich des Gallery Weekend Berlin freut sich Sprüth Magers, utopisch zu präsentieren – eine Einzelausstellung mit neuen und jüngst entstandenen Werken Elfgens.
Robert Elfgen
Al Na Jr, 2026
Concrete, fabric, photo collage, brass, metallic spray
paint
42 × 64 cm | 16 1/2 × 25 1/8 inches
Courtesy Sprüth Magers, Photo: Ingo Kniest
Das Werk Robert Elfgens erkundet das Verhältnis zwischen Mensch und Natur durch eine ausgeprägt mythische, poetische Perspektive. Seine Assemblagen, Collagen, Lichtobjekte sowie Boden- und Wandarbeiten fügen sich häufig zu raumgreifenden Installationen zusammen, die begehbaren Gemälden gleichen. Anlässlich des Gallery Weekend Berlin freut sich Sprüth Magers, utopisch zu präsentieren – eine Einzelausstellung mit neuen und jüngst entstandenen Werken Elfgens. Der Kontrast bildet ein tragendes Prinzip seiner künstlerischen Praxis:
Industrielandschaften begegnen Naturansichten, Tierdarstellungen und magischen Wesen.
Für Elfgen formen und lenken die Materialien selbst das entstehende Bild. Das zeigt sich in seiner Wahl von Beton, Aluminium und Messing, Werkstoffen, deren rohe industrielle Herkunft mit den Fabriken und Kraftwerken korrespondiert, die sie vielfach abbilden. Diese Sensibilität gegenüber dem Material setzt sich im Verhältnis zur Umgebung fort: Elfgens jüngster Umzug in eine Ruine aus dem 18. Jahrhundert, die zu einem ehemaligen Kloster außerhalb einer kleinen Stadt in der Bretagne gehört, hat seinen Arbeiten neue atmosphärische Qualitäten verliehen. Diese sind vom rasch wechselnden Wetter und den variierenden Lichtverhältnissen der Region geprägt. In seinen Malereien auf Holz tritt diese Qualität besonders deutlich hervor: Er schichtet Holzbeize, Farbe und schimmernde Sprühfarbe auf den Bildträger und schleift einzelne Partien ab, um die Maserung freizulegen. Dieses natürliche Muster geht unmittelbar ins Bild ein, erscheint als bedeckter Himmel oder als Nebel, der sich über die Landschaft legt. Die sichtbare Maserung verleiht den Arbeiten eine haptische Qualität, während Elfgens kontrollierter Einsatz von Farbe und Licht seine Sujets in die Nähe der romantischen Landschaftsmalerei rückt.
Robert Elfgen
Brioc, 2026
Wood, veneer, wood stain, metallic spray paint, artist
frame
64 × 48 × 4 cm | 25 1/8 × 19 × 1 5/8 inches
Courtesy Sprüth Magers, Photo: Ingo Kniest
Robert Elfgen
Freya, 2026
Fabric, aluminum, artist frame
102 × 65 cm | 40 1/8 × 25 5/8 inches
Courtesy Sprüth Magers, Photo: Ingo Kniest
Das erste dieser Werke, dem die Besucher*innen begegnet, Cigno Nero (2026), gibt den Tenor der gesamten Ausstellung vor. Der Titel, wörtlich „schwarzer Schwan“, bezeichnet im Italienischen bildlich ein unvorhergesehenes Ereignis von großer Tragweite – möglicherweise ein Verweis auf die aufquellende schwarze Farbwolke über dem abstrahierten Kraftwerk. Die Collage auf Beton, Emilia (2026), setzt eine schwarz-weiße Fotografie eines Kernkraftwerks einem strukturierten purpurfarbenen Textilband gegenüber und erzeugt so einen eindringlichen Kontrast zwischen industrieller Architektur und dekorativem Gewebe. Darüber öffnet sich ein blasser atmosphärischer Himmel in zarten Rosa- und Grautönen, in dem ein glänzendes, kreisförmiges Element Sonne oder Mond evoziert. Diese surreale Spannung befragt das Verhältnis zwischen menschlicher Technologie und natürlicher Welt. Zugleich deutet sie auf die utopische Möglichkeit hin, die im Ausstellungstitel anklingt: einen imaginierten Raum, in dem diese Gegensätze sich auflösen und industrieller Fortschritt nicht als destruktive Kraft, sondern durch den Blick romantischer Empfindsamkeit neu gedacht wird.
Diese Industrielandschaften greifen durch neue sandgestrahlte Glasscheiben in den Galerieraum über, die in vom Künstler eigenhändig gefertigte Holzrahmen gefasst sind. Von filigranen organischen Motiven bis hin zu einfachen geometrischen Formen, die sich zu industriellen Strukturen zusammenschließen, gliedern diese skulpturalen Arbeiten den Ausstellungsraum und verbinden ihn zugleich. Als Fenster und Hindernis in einem erlauben sie Sichtachsen durch die von ihnen errichteten Barrieren hindurch. In unmittelbarer Nähe „verschüttet“ ein umgekippter Kraftstoffkanister glänzende Farbe auf dem Boden. In Atina (2026) sitzt ein aus gefundenem Stoff ausgeschnittenes Katzenmotiv still vor einem Aluminiumhintergrund, während die beiden karierten Dackel Walter und Freya (beide 2026) die Szenerie von der Bodenperspektive aus beobachten.
In ihrer Gesamtheit laden diese Werke die Betrachtenden ein, ein künstlerisches Universum zu durchschreiten, das in gleichem Maße von materialen Eigenschaften wie von unerwarteten Sujets geprägt ist. Die Bildwelt erkundet Räume, die selten als Orte wahrgenommen werden: periphere Zonen der Energiegewinnung und Rohstoffförderung, Grenzbereiche zwischen Natur und Industrie. Wie die Tiere, die diese Szenen bevölkern, sind Betrachtende eingeladen, eine nicht-anthropozentrische Perspektive einzunehmen – beobachtend statt kontrollierend.
Robert Elfgen
Yanick, 2026
Metallic spray paint, wood stain, ink on wood, artist frame
72.5 × 86 × 4 cm | 28 1/2 × 33 7/8 × 1 5/8 inches
Courtesy Sprüth Magers, Photo: Ingo Kniest
Robert Elfgen (*1972, Wesseling) lebt und arbeitet in Köln und der Bretagne, Frankreich. Von 1997 bis 2001 studierte Elfgen bei John M. Armleder an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK). Ab 2001 studierte er bei Rosemarie Trockel an der Kunstakademie Düsseldorf und wurde 2004 ihr Meisterschüler. Er erhielt ein Stipendium des Kölnischen Kunstvereins und der ImhoffStiftung, Köln (2004), den Förderpreis des Landes NRW für junge Künstlerinnen und Künstler (2007) sowie den Grafikpreis des Landes NRW (2009). Ausgewählte
Einzelausstellungen umfassen: Fuhrwerkswaage, Köln (2025), PIBI Gallery, Seoul (2022, mit An Gyungsu), Sprüth Magers, Berlin (2021), Leopold-Hoesch-Museum, Düren (2016), Oldenburger Kunstverein, Oldenburg (2015), Sprüth Magers, Köln (2008), westlondonprojects, London (2006) und Bonner Kunstverein, Bonn (2005). Ausgewählte Gruppenausstellungen umfassen: die Langen Foundation, Neuss (2025), die Villa Stuck, München (2017), den me Collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht (2014), das Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe, sowie die Sammlung Falckenberg, Hamburg (beide 2007–08).
Martine Syms
Dominica Publishing, a temporary boutique
1 MAI BIS 3 MAI 2026
Opening – 1 MAI 2026, 18-21 Uhr
Martine Syms is one of the defining voices of her generation. She is an artist and director whose practice spans cinema, art, and theatre. On the occasion of Gallery Weekend Berlin, Sprüth Magers is pleased to present Dominica Publishing, a temporary boutique.
Copyright Martine Syms
The idea of the shop, desire as performance, and the performance of desire have long occupied Syms’ practice. This thread traces back to Golden Age, a Chicago bookshop and project space she ran for five years, platforming international artists, including Jon Rafman‘s first solo exhibition. This impulse found expression in her 2024 exhibition at Lafayette Anticipations in Paris, a multimedia project that functioned simultaneously as artwork and concept store. Dominica Publishing began as an imprint dedicated to exploring Blackness “as a topic, reference, marker, and audience in visual culture”, which remains central to her ongoing inquiry.
Presented in the Window, the gallery’s street-facing exhibition space, Dominica Publishing brings together artwork, merchandise—including new designs—and a selection of Syms’ publications. All available for purchase.
Martine Syms (*1988, Los Angeles) lives and works in Los Angeles. In 2026, Syms will have solo shows of her work at the Walker Art Center, Minneapolis, and the Saint Louis Art Museum. Past solo exhibitions include Lafayette Anticipations, Paris (2024), Carré d’Art – Musée d’art contemporain, Nimes (2023), Museum of Contemporary Art Chicago (2022), Philadelphia Museum of Art (2022), Fridericianum, Kassel (2021), Secession, Vienna (2019), and Museum of Modern Art, New York (2017). Group exhibitions include Museum of Contemporary Art, Detroit (2025), Hammer Museum, Los Angeles (2025, 2019), Kunsthal Charlottenborg, Copenhagen (2022), MUDAM, Luxembourg (2021), Museum MMK für Moderne Kunst, Frankfurt (2020), and Whitney Museum of American Art, New York (2018).
Syms’ work has been recognised through multiple awards, including a Guggenheim Fellowship (2023), Herb Alpert Award (2022), Creative Capital Award (2021), United States Artists Fellowship (2020) and Future Fields Art Prize (2020).