Camilla Steinum
Perception Spot

1 MAI bis 13 JUNI 2026
Opening – 1 MAI 2026, 18-21 Uhr

Perception Spot ist eine Ausstellung über unsere Beziehung zur Ungewissheit, darüber, wie Menschen versuchen, eine Welt zu begreifen, die sich dem Begreifen widersetzt.
Bei Soy Capitán vereint Camilla Steinum (*1986, Oslo) Installationen, Skulpturen und
Spiegelarbeiten, die diesen Versuch nicht beschreiben, sondern inszenieren: als körperliche Erfahrung, als kleines Ritual und als Moment, in dem Bedeutung entsteht und wieder entgleitet.

Camilla Steinum
Strike 1-12, 2020

Photo by Thorsten Arendt

In der Installation You Can Move (2022) bewegen sich dunkle Vogelschwärme durch den Raum. Aus gefärbtem Holz gefertigt und an Metallketten aufgehängt, ist ihr Erscheinungsbild nicht festgelegt: Je nachdem, wo man steht, ändern die Schwärme ihre
Richtung. Krähen werden zu Wildgänsen, eine Bewegung wird zur anderen. Ein sanftes
Ziehen an einer lackierten Holzkugel versetzt einzelne Vögel in Bewegung, eine beiläufige Geste, die plötzlich Flügelschlag und Klang in den Raum trägt. Die Illusion hängt vom eigenen Blick ab; der Eingriff liegt in der Hand der Betrachtenden.

Anderswo im Raum hängen schwere, in pigmentiertes Bienenwachs getauchte Seile, etwa zehn Meter lang und von der Decke abgehängt, an denen handgefertigte Kugeln aus Toilettenpapier und Holzleim befestigt sind. Aufgesprühte Nummern lassen sie wie Lotteriekugeln wirken, Objekte, in die Hoffnung und Zufall eingeschrieben sind. Die vertikale Abfolge der Seile erinnert an ein Messinstrument, als ließe sich etwas von ihr ablesen. Sensoren und programmierte Lichtelemente reagieren auf Bewegung im Raum und machen die Grenzen zwischen Nähe und Distanz, Innen und Außen durchlässig. Das Licht flackert, die Installation antwortet und stellt fragile, handgefertigte Materialien in Spannung mit elektronischer Präzision.

Camilla Steinum
You can move, 2022

Photo by Ivo Faber

Camilla Steinum,
Monster Floke, 2022

Photo by Istvan Virag

Eine Serie kleinformatiger Spiegelarbeiten überträgt diesen Gedanken in ein intimeres
Register. Siebgedruckte Spiegel begegnen Lotteriezahlen und Tierkreiszeichen, zwei Systemen, durch die Menschen den Zufall deuten, das Schicksal lesen oder Gewissheit suchen. Pflaster, auf die Oberflächen aufgebracht, verweisen auf Verletzlichkeit, aber auch auf Fürsorge. Wer vor diesen Arbeiten steht, sieht das eigene Gesicht inmitten dieser Zeichen und wird Teil des Werks, ohne sich dazu entschieden zu haben.

In Perception Spot erhalten die Besucher einen begrenzten Grad an Einfluss: Durch Bewegung und Berührung lassen sich Prozesse in Gang setzen, deren Verlauf nie ganz vorhersehbar ist. Die drei Werkgruppen fragen gemeinsam, wie Wissen entsteht, nicht durch Distanz, sondern durch Teilhabe. Und sie fragen, was Menschen tun, wenn Gewissheit fehlt: Sie zählen, deuten, berühren, hoffen.

Camilla Steinum
Listening Holes, 2020

Photo by Vaupell

Camilla Steinum (*1986, Oslo) studierte an der Nationalen Kunsthochschule Oslo sowie an der Kunsthochschule Weißensee Berlin. Sie lebt und arbeitet in Berlin.