John Zurier
along – between
1 MAI bis 27 JUN 2026
Opening – 1 MAI 2026, 18-21 Uhr
In John Zuriers Arbeiten ist die Farbe nicht bloß Mittel der Darstellung, sondern wird mit der Materialität der Leinwand zum eigentlichen Gegenstand. Sie wird zum Nachklang eines Moments, der kaum flüchtiger hätte sein können und dennoch einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Diese Atmosphäre prägt seine Arbeitsweise und bestimmt die Malereien in seiner zehnten Einzelausstellung in der Galerie, die zum Gallery Weekend Berlin eröffnet. Gezeigt werden neue, vornehmlich kleinformatige Arbeiten, in denen sich die ganze Bandbreite seines Idioms in der Monochromie abzeichnet.
John Zurier,
April, 2024
oil on linen,
triptych, each 25 x 30 cm, 9 7/8 x 11 3/4 in
overall dimensions 25 x 130 cm, 29 1/2 x 51 1/8 in (TBD)
Die Ölfarbe ist in einigen Arbeiten stark verdünnt, sodass die Struktur der Leinwand sichtbar bleibt. Die Oberfläche flimmert wie ein fernes Rauschen. Dichte Pigmentfelder lagern sich über andere Farben und erzeugen eine Mehrschichtigkeit, ein Davor und Dahinter. In einigen Arbeiten, wie in Half the Sky, durchdringen hellere Farben dichte Farbflächen wie Licht eine dunkle Wolkendecke. Nichts an diesen Arbeiten ist endgültig. Die Farben sind in Bewegung, als hätten sie ihren endgültigen Zustand noch nicht gefunden, getragen von einer nicht festgelegten Haltung, die jede Setzung aus dem Moment und in Reaktion auf das Vorgefundene heraus entstehen lässt. Besonders deutlich wird dies im Triptychon April, dessen drei Tafeln wie verschiedene Zustände desselben Moments wirken, wie der wechselnde Aggregatzustand einer Stimmung. Grünliche Einschlüsse durchziehen die graublaue Fläche. Die Farben wirken grob, teils ausgewaschen, scheinen sie eher zu verdecken, statt sichtbar zu machen.
Die Bilder zeigen sich in unterschiedlichen Intensitäten. Manche erscheinen dunkel und nahezu monochrom; nur einzelne, feine Setzungen durchbrechen diesen Eindruck. In Holding the Rain hingegen scheint sich die Farbe beinahe aufzulösen: Ein kühles, silbrig-blaues Feld legt sich in sichtbaren Pinselstrichen wie ein feiner Schleier über die Leinwand, durchzogen von einem kaum wahrnehmbaren Flimmern. Die Malerei erinnert an Regen, Nebel oder Morgentau. Andere Arbeiten, wie die violett–blauen, nahezu geschlossenen Bildräume in April Earth verdichten sich zu einem fast undurchdringlichen Farbfeld, das subtile Verschiebungen und Spuren offenlegt. Sichtbare Pinselstriche und ein teils pastoser, trocken wirkender Farbauftrag, der in seiner stillen Eindringlichkeit an die haptischen Oberflächen der walisischen Malerin Gwen John erinnert, werden zu Zeichen auf der Leinwand, denen wir folgen. Der Blick findet keinen Halt.
John Zurier,
A Scattering of Salts, 2023/2026
oil on linen
70 x 50 cm
27 1/2 x 19 3/4 in
John Zurier
Pale Fountain, 2026
oil on linen
70 x 40 cm
27 1/2 x 15 3/4 in
(JZ00332)
Die Titel lassen an einen bestimmten Ort und Zeitpunkt denken, als hielten sie jene Augenblicke fest, die sich dem Gedächtnis eingeschrieben haben. Sie wirken wie persönliche Erinnerungen oder Notizen zu einem Gedanken. Zuriers Malerei verweigert das Motiv. An seine Stelle tritt eine Atmosphäre, die sich eher erschließt als beschreiben lässt. Der Blick bewegt sich tastend über die Leinwand, folgt Pigmentverdichtungen, Lichtungen und kaum wahrnehmbaren Übergängen. Die grobe Struktur der Leinwand, die sichtbaren Pinselstriche und die sorgfältigen Farbschichtungen zeigen, dass sich Zurier für das Materielle in der Malerei interessiert, das Reale und Konstituierende. Er experimentiert mit Pigmenten, der Struktur der Leinwand und nutzt teils traditionelle malerische Methoden und Materialien, welche letztlich die Beschaffenheit der Pinselstriche beeinflussen.
Die Arbeiten in along – between bewegen sich im Dazwischen, sie werden zur physischen Verdichtung eines inneren Zustands. Auch der Titel spielt mit diesem Zwischenraum, lässt etwas aus und scheint Bedeutungen in sich zu verdichten. Im Betrachten folgen wir einem Wechsel zwischen Auftauchen und Verschwinden, in dem sich etwas zeigt, um sich im nächsten Moment wieder zu verlieren.