Darren Almond
Between the Lines

1 MAI bis 30 MAI 2026
Opening – 1 MAI 2026, 18-21 Uhr

At At Bleibtreustraße 45

Darren Almonds großformatiges Gemälde Monolith fungiert als ein zugrundeliegendes Manifest für Between the Lines. Aus dem von Geäst durchzogenen Hintergrund tritt eine klar definierte Null hervor – eine Form mit vielfältigen Lesarten als konzeptuelles Symbol: vom Hinweis auf Unendlichkeit über den Fluchtpunkt der Perspektive bis hin zu buddhistischen Philosophien des ‚Nichts‘. Die Null fungiert zugleich als Anfang und Endpunkt, in dem Leben und Gegenwärtigkeit zwischen eingerahmten Ewigkeiten liegen – ein kurzes, leuchtendes Intervall zwischen Geburt und Tod. Ihre Form ist mit den schwebenden, kahlen Zweigen einer Weide im Winter verflochten, als sähe man sie, während man unter ihrem Blätterdach Schutz sucht und nach außen zu einem unbestimmten Horizont blickt. Der Einsatz stark verdünnter Pigmente auf der Leinwand spiegelt wider, wie Wasser während eines Regenschauers die Zweige einer Weide umspielt: Der Akt des Malens ahmt das physische Verhalten von Regenwasser nach, das unter der Schwerkraft der Erde herabfließt und so den Wasserkreislauf und den Kreislauf des Lebens vollendet.

Darren Almond
Willow Bank, 2026 (detail)

gold and acrylic on linen, in 2 parts

overall: 160 x 231 cm.; 63 x 91 in.
left panel: 160 x 120 cm.; 63 x 47 1/4 in.
right panel: 160 x 111 cm.; 63 x 43 3/4 in.

(75239)

© Darren Almond, courtesy the artist and Galerie Max Hetzler Berlin | Paris | London | Marfa.
Photo: def image

Die Weide, ein Baum, der intrinsisch mit Wasser verbunden ist, wird im Verlauf der Ausstellung zu einem Symbol zyklischer Prozesse. In Almonds Gemälden taucht das Motiv der Weide immer wieder als ein Ort auf, an dem reale Zeit und Erinnerung aufeinandertreffen. ‚Ich hatte diesen Moment als kleiner Junge‘, erinnert er sich, ‚in dem ich vollkommen überwältigt war von der Intensität des Sonnenlichts, seiner Spiegelung auf der Wasseroberfläche, den silhouettierten, von hinten beleuchteten Zweigen einer Weide, die über einem Teich hingen, und dem starken Kontrast all dessen. Es ist eine unglaublich scharfe, kristalline Erinnerung, und ich trage sie nun seit fast fünfzig Jahren mit mir. Wenn man Erinnerungen so lange festhält, beginnen sie sich zu verfestigen; sie prägen einen und werden zu einem Teil von einem selbst, zu etwas, das über sie hinausgeht. Deshalb erschien es mir notwendig, dieses „Etwas“, das ich all die Jahre bewahrt habe, zu untersuchen – Erinnerungen, verschleiert durch das prismatische Licht der Erfahrung.‘

The Self Assessed
With works by Rita Ackermann, Lorenzo Amos, Oliver Bak, Georg Baselitz, Giorgio de Chirico, Michaela Eichwald, Tracey Emin, Grant Falardeau, Eric Fischl, Nathanaëlle Herbelin, Martin Kippenberger, Jeff Koons, Maria Lassnig, Victor Man, Paula Modersohn-Becker, Bruce Nauman, Albert Oehlen, Dana Schutz, Cindy Sherman, Rudolf Stingel, Thomas Struth, Rebecca Warren, curated by Cornelius Tittel

1 MAI bis 30 MAI 2026
Opening – 1 MAI 2026, 18-21 Uhr

At Potsdamer Straße 77-87

Rudolf Stingel
Untitled, 2016

oil on canvas
335 x 258 cm.; 131 7/8 x 101 5/8 in.

(75197)

© Rudolf Stingel, courtesy the artist and Galerie Max Hetzler Berlin | Paris | London | Marfa.
Photo: def image

Die unterhaltendste Fläche auf der Erde ist die vom menschlichen Gesicht.’ Was Georg Christoph Lichtenberg in seinen Sudelbüchern mit der Eleganz eines Aphorismus notiert, hat die Kunst nicht mehr losgelassen. Denn diese Fläche ist niemals neutral. Sie ist Projektionsfläche, Setzung, Inszenierung – ein Spannungsfeld, in dem sich Kunst und Gesellschaft auf engste berühren. Genau hier setzt die Ausstellung The Self Assessed an – kuratiert von Cornelius Tittel, der eine beeindruckende Künstlerliste zusammengeführt hat, die auch seine zehn Jahre als Chefredakteur von Blau International reflektieren.

Dana Schutz
Self Portrait as a Pachyderm, 2005

oil on canvas
58.5 x 46.5 cm.; 23 x 18 1/4 in.

(75219)

Courtesy Contemporary Fine Arts
Photo: Jochen Littkemann

Giorgio de Chirico
Autoritratto, 1923

tempera and oil on hardboard
29.5 x 27.5 cm.; 11 5/8 x 10 7/8 in.

(75204)

Courtesy Galerie Haas, Zürich
Photo: Jochen Littkemann

Die Geschichte des Selbstporträts lässt sich als Geschichte solcher Setzungen lesen: Sie weist dem Individuum einen Platz zu, als Träger von Bedeutung, als Bild gewordene Rolle, als Figur innerhalb einer Ordnung, die im Bild entweder bestätigt oder infrage gestellt wird. Erst als diese Übereinkunft brüchig wird, verschiebt sich der Maßstab. Nicht mehr die Ähnlichkeit entscheidet, sondern die Intensität der Erscheinung, die malerische Geste, das Maß an Gegenwart. Im Selbstporträt verdichtet sich diese Bewegung zu einem paradoxen Kern. Hier fallen Blick und Gegenblick zusammen und bleiben doch unvereinbar. Wer sich selbst darstellt, versucht ein Ich zu fassen, dass sich jedem Zugriff entzieht. Das Selbstbildnis ist kein Spiegel im naiven Sinne, sondern ein Experiment: Analyse und Inszenierung zugleich. In ihm kippt das Eigene ins Fremde, das Gesicht wird Form, wird Figur, wird stille Oberfläche. Diese Verschiebung zieht sich als feine, unnachgiebige Linie durch die Ausstellung.

(Auszug aus einem Text von Nils Emmerichs, 2026)

Vivien Zhang
Field Conditions

1 MAI bis 27 JUN 2026
Opening – 1 MAI 2026, 18-21 Uhr

At Goethestraße 2-3

Vivien Zhang
Tectonic Burst, 2026

acrylic and oil on linen
200 x 180 cm.; 78 3/4 x 70 7/8 in.

(75179)

© Vivien Zhang, courtesy the artist and Galerie Max Hetzler Berlin | Paris | London | Marfa. Photo: Jack Hems

Zhang setzt sich in ihrer unverwechselbaren Bildsprache mit Migration, Technologie und der natürlichen Welt auseinander und verwebt dabei persönliche und kollektive Erfahrungen. Ausgehend von vielfältigem Quellenmaterial – von Weltkartenprojektionen und mathematischen Formen bis hin zur Klassifizierung von Pflanzen und Schmetterlingen – hinterfragt die Künstlerin etablierte Wahrnehmungs- und Interpretationsweisen innerhalb von zeitgenössischen Narrativen und visueller Kultur. Geprägt von ihrer Kindheit in China, Kenia und Thailand sowie ihrer sich wandelnden Beziehung zu London, wo sie lebt und arbeitet, erforscht Zhang in ihren Arbeiten Themen wie Identität, Linguistik und die Komplexität visueller Übersetzung im Kontext einer zunehmend globalisierten und digitalen Welt.

Vivien Zhang
to slip between (Ithomia) I, 2026

acrylic and oil on linen
180 x 200 cm.; 70 7/8 x 78 3/4 in.

(75182)

© Vivien Zhang, courtesy the artist and Galerie Max Hetzler Berlin | Paris | London | Marfa.
Photo: Jack Hems

Vivien Zhang
Polar Forms, 2026

acrylic and oil on linen
200 x 180 cm.; 78 3/4 x 70 7/8 in.

(75188)

© Vivien Zhang, courtesy the artist and Galerie Max Hetzler Berlin | Paris | London | Marfa.
Photo: Jack Hems

Der Ausstellungstitel spielt auf den Begriff an, mit dem wechselhafte Umstände beschrieben werden, die in realen Umgebungen auftreten – im Gegensatz zu kontrollierten oder simulierten. Field Conditions zieht Parallelen zu vielen zentralen Aspekten von Zhangs Schaffen und lotet so die Grenzen zwischen Realität und Illusion, Original und Fälschung, Analogem und Digitalem, Flächigkeit und Tiefe aus. In ihrem von Blumen inspirierten Gemäldekomplex präsentiert Zhang großformatige, farbenfrohe Leinwände, die zwischen Darstellung und Abstraktion oszillieren. Sie stellt die Grenzen der Klassifizierung in den Vordergrund und verweist auf Pflanzenarten mit Suffixen wie ‚pseudo‘ oder ‚affinis‘ – was eine Fälschung oder eine verwandte Version eines Originals impliziert. Zhang hinterfragt Authentizität und fehlerhafte Wertzuschreibungen und reflektiert so die Art und Weise, wie Identitäten konstruiert werden.