Jorinde Voigt
Non-Fiction
1 MAI BIS 6 JUNI 2026
Opening – 1 MAI 2026, 18-21 Uhr
At Potsdamer Strasse 83
Zum Gallery Weekend 2026 präsentiert die Galerie Judin ihre erste Einzelausstellung von Jorinde Voigt, „Non-Fiction“.
Jorinde Voigt
Non-Fiction (Confidence Spectrum) II
2026
gold leaf, ink and pastel on paper, framed
137.9 x 70.3 cm (unframed)
JVO/D 026
Photo: Roman März
© Jorinde Voigt / VG Bild-Kunst Courtesy Galerie Judin, Berlin
Jorinde Voigt, 1977 in Frankfurt am Main geboren, zählt zu den prägendsten künstlerischen Stimmen ihrer Generation. Ihr Werk verbindet konzeptuelle Strenge mit handwerklicher Sensibilität und verleiht traditionellen Medien – allen voran dem Papier – eine unerwartete Gegenwärtigkeit.
Mit ihren Arbeiten vermisst Voigt die Welt – und zugleich sich selbst. Ihr Vorgehen erinnert an künstlerische Forschung, die weniger nach Ergebnissen sucht als nach zugrundeliegenden Strukturen. Es geht um Funktionsweisen, Bewegungsabläufe und Wahrnehmungsmuster. Immer wieder geht es darum, äußere Phänomene und deren individuelle Wahrnehmung miteinander zu verschränken. In umfangreichen Werkserien werden unsichtbare Strukturen in sichtbare Ordnungen überführt. Voigt ist damit der „Programmierung“, gewissermaßen dem Algorithmus, der analogen Welt auf der Spur.
Voigt übersetzt Phänomene von Bewegung, Wahrnehmung und Gestalt in Zahlen, Buchstaben, Zeichen und Texte, um daraus neue visuelle Systeme zu entwickeln. Für dieses Sichtbarmachen schafft sie eigene Darstellungsmodi – von Diagrammen und Tabellen bis zu Mindmaps. Was bei oberflächlicher Betrachtung kühl und analytisch erscheinen mag, ist bei genauerem Hinsehen von erstaunlicher Emotionalität getragen: Viele ihrer bildnerischen „Partituren“ kreisen um Themen wie Liebe, Körperlichkeit oder deren Abwesenheit. Oft genügt eine beiläufige Beobachtung, eine Zeile aus einem Text, ein musikalisches Motiv, dass daraus eine komplexe Werkreihe erwächst.
Jorinde Voigt
If-Then-Condition IX
2025
ink and pastel on paper, framed
100.5 x 64.7 cm (unframed)
JVO/D 020
Photo: Roman März
© Jorinde Voigt / VG Bild-Kunst Courtesy Galerie Judin, Berlin
Jorinde Voigt
Non-Fiction I
2026
gold leaf, ink and pastel on paper, framed
139.1 x 88 cm (unframed)
JVO/D 021
Photo: Roman März
© Jorinde Voigt / VG Bild-Kunst Courtesy Galerie Judin, Berlin
Indem Voigt ihre Werke durch Texte und Protokolle begleitet, verleiht sie ihnen eine zweite Ebene: Sie legt den Prozess der Visualisierung selbst offen, und macht so die Betrachtenden zu Komplizen der künstlerischen Umsetzung. Diese Offenlegung der Strukturen steigert die Faszination, mit der wir die „Algorithmen“ der Natur betrachten, und schärft unser Bewusstsein für die subtilen Gefüge, durch die wir unsere Lebenswelt erfahren und begreifen.
Adam Lupton
Too Sure of the Sun
1 MAYIBIS 14 JUN 2026
Opening – 1 MAI 2026, 18-21 Uhr
At Die Tankstelle – Bülowstrasse 18
Anlässlich des Berlin Gallery Weekend eröffnet die Galerie Judin ihre erste Einzelausstellung mit Adam Lupton, „Too Sure for the Sun“, in der Tankstelle.
Adam Lupton
Atlas
2025
oil on canvas 220 x 180 cm
ALU/P 005
Photo: Trevor Good
© the artist
Courtesy Galerie Judin, Berlin
Mit seinem Umzug nach Berlin im Jahr 2022 hat Adam Lupton, 1987 in Vancouver geboren, seinen künstlerischen Fokus – sowohl stilistisch als auch motivisch – zugespitzt. Ausgerechnet im Berlin der tausend Möglichkeiten hat sich Lupton entschieden, seine Palette auf zwei Farbtöne und alle ihre Schattierungen zu begrenzen. Durch diese Limitierung hat sein Werk eine enorme Breite und Tiefe gewonnen. In den Spektralfarben Rot und Blau, die geradezu sinnbildlich für emotionale Extremzustände stehen, entstehen seither Einblicke in ein modernes, urbanes Alltagsleben, das zunächst harmlos und idyllisch anmutet. Doch hinter den Interieurs, Exterieurs und intensiven Porträts tun sich Abgründe auf.
Wie ein roter Faden durchzieht eine allgegenwärtige Schwermut, eine Melancholie, eine Art Sehnsucht seine Malerei. Die urbanen Kulissen, roten Backsteinfassaden, und eine unterschwellige Beengtheit evozieren unweigerlich die neurotische, in sich gekehrte Welt eines Franz-Kafka-Romans. Es ist das Gefühl einer ganzen Generation, das Lupton hier pointiert einzufangen weiß – ein ewiges Coming-of-Age, ein fortwährender Prozess der endlosen Selbstprüfung ohne Ergebnisse. Und so befasst sich Luptons Werk mit mentaler Gesundheit – insbesondere mit Zwanghaftigkeit, Angstzuständen und Isolation – und lotet zugleich Fragen zu Klasse, Zugehörigkeit sowie Männlichkeitsdiskursen aus. Denn in zarten Blau- und Pastellrosatönen werden ganz beiläufig Männlichkeitsstereotype zitiert und demontiert.
Adam Lupton
Roses Are Red
2025
oil on canvas 120 x 100 cm
ALU/P 014
Photo: © the artist
Courtesy Galerie Judin, Berlin
Adam Lupton
What Now/Now What
2026
oil on canvas 40 x 50 cm
ALU/P 028
Photo: © the artist
Courtesy Galerie Judin, Berlin
Zur Dekonstruktion trägt nicht zuletzt ein technischer Kunstgriff bei: Luptons Gemälde setzen sich collageartig aus Materialzitaten und unterschiedlichen Strukturen zusammen. Gesichter und Gegenstände sind oft als Monoprints ins Bild gekommen, zunächst auf separaten Bildträgern gemalt und dann spiegelverkehrt abgezogen. In seine Muster und Ornamente schleichen sich wiederholt Motive, wie Streichhölzer, Feigen, Dolche und einzelne Haare ein – sie spiegeln seine eigenen wiederkehrenden, aufdringlichen Gedanken wider und fügen sich zu einer visuellen Sprache der inneren Zerrissenheit und Liminalität zusammen, die sich durch sein gesamtes Werk zieht.