Franz West & Bruno Gironcoli
Logical Disorder
1 MAI bis 20 JUN 2026
Opening – 1 MAI 2026, 18-21 Uhr
Bruno Gironcoli,
Brennendes Kind, 1998-1999
Courtesy Galerie Crone, Berlin Wien, und Galerie Thoman, Innsbruck Wien
Franz West (* 1947, † 2012) und Bruno Gironcoli (* 1936, † 2010) zählen zu den prägendsten österreichischen Künstlern der letzten Jahrzehnte. Ihre Skulpturen und Objekte zeichnen sich durch eine eigenständige, sofort wiedererkennbare Handschrift aus und haben die internationale Kunstwelt nachhaltig beeinflusst.
Beide galten lange als Außenseiter, bis sie sich mit ihrer Beharrlichkeit und ihrem Schaffensfuror durchsetzten. Beide waren zeitlebens miteinander verbunden, obwohl sich ihr Werk auf den ersten Blick stark zu unterscheiden scheint.
West studierte bei Gironcoli in den 1970er Jahren an der Akademie der bildenden Künste in Wien und fand in ihm einen wichtigen Mentor. Als West später zu einem Star der internationalen Kunstszene aufstieg, war er es, der Gironcoli zu dem verdienten Ruhm über Österreichs Grenzen hinaus verhalf.
Franz West,
Madley I 1996-2003
Courtesy Galerie Crone, Berlin Wien, und Galerie Thoman, Innsbruck Wien
Bruno Gironcoli,
Ohne Titel, 2008
Courtesy Galerie Crone, Berlin Wien, und Galerie Thoman, Innsbruck Wien
Obwohl das Schaffen und die Laufbahnen der beiden Ausnahmekünstler nicht voneinander zu trennen sind, gab es noch nie eine West-Gironcoli-Ausstellung. In „Logical Disorder“ werden ihre Werke nun erstmals in einen direkten Dialog gesetzt. Dabei wird zum einen sichtbar, dass West und Gironcoli die Faszination am Kuriosen, Absurden und Bizarren verbindet. Zum anderen treten die völlig unterschiedlichen Herangehensweisen und Kunstpraktiken zu Tage, die aus dem gemeinsamen Ansatz des Skurrilen entstanden sind.
Gironcoli feiert den Apparat, West das Wesen. Gironcoli zelebriert die glatte, perfekte, metallische Oberfläche, West die zerklüftete, unebenen, geflickte Haut. Gironcoli schafft technomorphe, ritualisierte, mythologisch anmutende Körper, West scheinbar beiläufige, alltagsbezogene, zum Gebrauch einladende Objekte. Gironcoli steht für das Monumentale, die künstlerische Autorität, die aurische Geschlossenheit, den individuellen Absolutheitsanspruch, West für das Fragment, das Anti-Heroische, das Partizipative, die Skulptur als offenes, relativier- und aktivierbares Gebilde.
Beim Betrachten der gezeigten Werke werden der verbindende Ausgangspunkt und die entgegengesetzten Zielrichtungen augenfällig. West ist in der Ausstellung mit seinen typischen Sitzobjekten, berühmten „Passstücken“ und mehreren Collagen vertreten. Von Gironcoli sind unter anderem das legendäre „Brennende Kind“, seine charakteristischen Aluminiumgüsse und zahlreiche Zeichnungen zu sehen.
Franz West,
Ohne Titel, 1982
Courtesy Galerie Crone, Berlin Wien, und Galerie Thoman, Innsbruck Wien
Der Ausstellungstitel „Logical Disorder“ (zu Deutsch „logische Unordnung“ oder „Störung der Logik“) bezieht sich sowohl auf die „verbindende Divergenz“ der Werke von West und Gironcoli als auch auf den Impetus, der beide anzutreiben scheint: Dem Dasein in all seiner Absurdität eine Gestalt zu geben.
„Logical Disorder“ findet in Kooperation mit der Galerie Elisabeth und Klaus Thoman, Innsbruck Wien, statt.