Jeremy Shaw
Half-Life of Grace

11 SEP – 7 NOV 2026

Jeremy Shaw
Half-Life of Grace
10.09.2026 – 07.11.2026
Courtesy of the Artist and Galerie Neu, Berlin
Photo: Stefan Korte

Jeremy Shaw
Half-Life of Grace
10.09.2026 – 07.11.2026
Courtesy of the Artist and Galerie Neu, Berlin
Photo: Stefan Korte

Mit „Half-Life of Grace“ präsentiert Galerie Neu die erste Einzelausstellung des in Berlin
lebenden kanadischen Künstlers Jeremy Shaw in der Galerie.

Die Ausstellung setzt seine skulpturalen Auseinandersetzungen mit Glauben und veränderten Bewusstseinszuständen fort und präsentiert ein neues Werk, das wissenschaftliche Thesen, ausgemusterte spirituelle Artefakte und Materialien mit toxischen Eigenschaften miteinander verbindet.

Im ersten Raum befinden sich drei an der Wand befestigte Skulpturen, die aus miteinander verbundenen Klein-Flaschen bestehen. Eine Klein-Flasche ist ein vierdimensionales mathematisches Konzept, das hier dreidimensional dargestellt wird und die Form einer einseitigen, nicht orientierbaren Oberfläche veranschaulicht, die sich endlos in sich selbst faltet. Die Skulpturen sind gefertigt aus flammgeformtem Borosilikatglas. Im Inneren jeder Klein-Flasche befinden sich Rückstände von verdampftem Dimethyltryptamin (DMT) in freier Base – einer psychoaktiven Substanz, die beim Menschen intensive psychedelische Erfahrungen hervorrufen kann.

Jeremy Shaw
Half-Life of Grace (1958), 2026
28 decommissioned zinc-based metal alloy church organ pipes, hand-blown uranium glass, ultra violet (UV) lights, electronic circuitry, transducer speakers, audio, stainless steel.
300 x 255 x 58 cm
Unique

Jeremy Shaw
Half-Life of Grace
10.09.2026 – 07.11.2026
Courtesy of the Artist and Galerie Neu, Berlin
Photo: Stefan Korte

Im zweiten Raum befindet sich eine Wandskulptur, die eine Gruppe von 28 Fassadenpfeifen zeigt, die aus einer kürzlich stillgelegten christlichen Kirchenorgel aus dem Jahr 1959 stammen. Die Pfeifen bestehen aus einer Zinklegierung und weisen in ihren Formen und auf ihren patinierten Oberflächen Spuren des Alters und Gebrauchs auf: Verbiegungen, Dellen, Fingerabdrücke, Kratzer, Verfärbungen, Gravuren, Reparaturen. Im Inneren jeder Pfeife befindet sich eine maßgefertigte Hülse aus mundgeblasenem Uranglas, die radioaktive Verbindungen enthält. Uranglas wurde ab den 1830er Jahren häufig für dekorative Glaswaren verwendet und erreichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Höhepunkt seiner Beliebtheit, bevor die Produktion nach 1942 fast vollständig eingestellt wurde. Unsichtbar sind im Inneren der Pfeifen Schwarzlichtlampen angebracht, die an programmierte elektronische Schaltkreise angeschlossen sind. Bei Bestrahlung mit Schwarzlicht fluoresziert das Uranglas in einem neongrünen Farbton, der durch die „Mündung“ jeder Orgelpfeife sichtbar ist. Der Klang wird von Schallwandlern erzeugt, die im Inneren der Pfeifen befestigt sind und gleichzeitig mit dem leuchtenden Glas aktiviert werden, wodurch ein lebendiges Muster aus Licht und Klang entsteht.

Jeremy Shaw (geb. 1977 in North Vancouver, Kanada) lebt und arbeitet in Berlin, Deutschland. Er arbeitet mit einer Vielzahl von Medien, um veränderte Bewusstseinszustände sowie die kulturellen und wissenschaftlichen Praktiken zu erforschen, die darauf abzielen, transzendentale Erfahrungen zu erfassen. Zu den jüngsten Einzelausstellungen zählen: Towards Logarithmic Delay, Secession, Vienna (2025); Phase Shifting Index, Musée d’art contemporain de Montréal, Montreal & The Polygon Gallery, North Vancouver (2023); Liminals, Frye Art Museum, Seattle (2022); Tracer Recordings, Ordet, Milan (2021); Phase Shifting Index, Centre Pompidou, Paris (2020); and Quantification Trilogy, Julia Stoschek Collection, Berlin and Düsseldorf (2020).