Michael Sailstorfer
Pull the Rug

From 11 SEP 2026

Opening – 10 SEP 2026, 6–10 pm

Courtesy Galerie Judin, Berlin

Die Galerie Judin freut sich, mit Pull the Rug die erste Einzelausstellung von Michael Sailstorfer in der Galerie präsentieren zu dürfen. Für die Berlin Art Week 2026 entwickelt der Künstler eine ebenso spektakuläre wie verstörende ortsspezifische Installation.

Es gehört zu den prägenden Erfahrungen unserer Gegenwart, dass Gewissheiten brüchig geworden sind. Politische Strukturen, wirtschaftliche Beziehungen, technologische Entwicklungen oder ökologische Zusammenhänge erscheinen heute weniger als verlässliche Konstanten denn als Kräfte permanenter Veränderung. Nicht mehr einzelne Krisen bestimmen unser Zeitgefühl. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass der Boden unter den eigenen Füßen jederzeit ins Wanken geraten kann.

Kaum ein Künstler versteht es, solche Erfahrungen so pointiert und eindringlich in eine räumliche und sinnliche Situation zu übersetzen wie Michael Sailstorfer. Seit vielen Jahren erweitert er den Skulpturbegriff um Phänomene wie Bewegung, Zeit, Geräusche, Gerüche oder das Verschwinden. Sailstorfers Arbeiten bilden die Welt nicht einfach ab; sie schaffen Versuchsanordnungen, in denensich ihre Bedingungen unmittelbar erfahren lassen.

Pull the Rug führt diesen Ansatz auf radikale Weise fort. Den Besucherinnen und Besuchern wird der Boden im wahrsten Sinne des Wortes unter den Füßen entzogen. In regelmäßigen Abständen entfernt ein Mitarbeiter einen der Steine, aus denen der Boden des ersten Ausstellungsraums besteht, und führt ihn durch einen schmalen Schlitz in den zweiten, unzugänglichen Raum. Dort beschleunigt eine eigens entwickelte Apparatur den Stein und schleudert ihn gegen eine Wand. Staub, Lärm und Erschütterungen dringen in den Ausstellungsraum zurück. Sichtbar sind lediglich die Folgen eines Prozesses, dessen eigentliche Mechanismen sich dem Blick entziehen. Gerade darin liegt die Qualität der Arbeit. Sailstorfer illustriert Verunsicherung nicht, er erzeugt sie. Stabilität erweist sich als vorübergehender Zustand.

Anlässlich der Finissage erscheint eine Publikation, die den Verlauf der Installation dokumentiert.