Ersan Mondtag
Dispair
11 SEP – 31 OCT 2026
Opening – 10 SEP 2026, 6–10 pm
Ersan Mondtag, Dispair, Installation view.
© Ersan Mondtag, courtesy DITTRICH & SCHLECHTRIEM, Berlin
Photo: CHOREO
Ersan Mondtag, Dispair, Installation view.
© Ersan Mondtag, courtesy DITTRICH & SCHLECHTRIEM, Berlin
Photo: CHOREO
DITTRICH & SCHLECHTRIEM freut sich, Dispair, die erste Einzelausstellung von Ersan Mondtag in der Galerie, zu präsentieren. Die Ausstellung eröffnet anlässlich der Berlin Art Week am Mittwoch, 9. September und ist bis zum 31. Oktober 2026 zu sehen. Die feierliche Eröffnung findet am Donnerstag, den 10. September von 18 bis 22 Uhr im Rahmen der Gallery Night statt.
Ersan Mondtag arbeitet an der Schnittstelle von bildender Kunst, Theater, Oper und Film. Seine Praxis verbindet Skulptur, Installation, Performance und Raum zu einer gemeinsamen Bildsprache. Im Zentrum steht der Körper als Träger von Erinnerung. Biografien schreiben sich in Materialien ebenso ein wie in Gesten, Haltungen und architektonische Räume. Mondtags Arbeiten bewegen sich zwischen persönlicher Geschichte und kollektivem Gedächtnis und untersuchen, wie sich gesellschaftliche Verhältnisse in Körpern, Dingen und Landschaften sedimentieren.
Dispair präsentiert eine neue Werkgruppe von Mondtag, die eigens für die Ausstellung bei DITTRICH & SCHLECHTRIEM entstanden ist und großformatige Skulpturen aus karbonisiertem Holz sowie eine Serie von Reliefs aus Holz und Silikon vereint. Mit diesen Arbeiten setzt der Künstler seine langjährige Auseinandersetzung mit Fragen rund um Vergänglichkeit, Begehren und kollektive Erinnerung fort. Ausgangspunkt ist eine über längere Zeit gewachsene Reflexion über die Mechanismen von Ein- und Ausschluss – dabei richtet der Blick sich ebenso auf Formen der Solidarität wie auf Fragilität von Gemeinschaften und die Dynamiken ihrer inneren wie äußeren Grenzziehungen.
Ersan Mondtag, Dispair, Installation view.
© Ersan Mondtag, courtesy DITTRICH & SCHLECHTRIEM, Berlin
Photo: CHOREO
ERSAN MONDTAG
Die Lebenssüchtigen, 2026
Wood
200 x 118 x 12.9 cm
Unique
© Ersan Mondtag, courtesy DITTRICH & SCHLECHTRIEM, Berlin
Photo: CHOREO
Das Holz der Skulpturen bildet einen zentralen materiellen und symbolischen Ankerpunkt. Das organische Material erscheint zugleich als Medium von Geschichte. Durch die Karbonisierung verweist es auf Zyklen von Wachstum, Zerstörung und Erhalt. Der Akt des Verbrennens transformiert und konserviert zugleich das Material – ein Prozess, der Erinnerung nicht als statisches Archiv, sondern als etwas Begreifbares, dem Körper Eingeschriebenes erscheinen lässt. Zerstörung und Bewahrung treten dabei in ein unlösbares Spannungsverhältnis. Das Silikon erweitert diese Materialität um eine körperhafte, nahezu epidermale Qualität.
Materialität und Szenografie bilden den Kern von Mondtags künstlerischer Praxis. Skulpturale Elemente, Klang und performative Gesten fungieren als Träger von Geschichte und kollektiver Erinnerung. Seine Arbeiten verdichten sich zu atmosphärischen Bildräumen, in denen Material zum Speicher von Zeit, Verlust und Transformation wird. Historische, politische und persönliche Ebenen überlagern sich und spannen Erfahrungsräume auf, die sich eindeutigen Narrativen entziehen.
Dispair eröffnet einen Raum für Fragen nach den politischen und gesellschaftlichen Bedingungen der Gegenwart sowie nach möglichen Zukunftsentwürfen. Die Arbeiten kreisen um die Fragilität demokratischer und bürgerschaftlicher Strukturen und um Mechanismen, durch die Angst, Ausgrenzung und Gewalt fortgeschrieben werden. Zwischen persönlicher Erfahrung und kollektiver Erinnerung entwirft Mondtag eine Bildwelt, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft untrennbar miteinander verwoben erscheinen.
„Der Neoliberalismus hat mit seiner kannibalistischen Ausbeutung von Fürsorge, Infrastruktur, natürlichen Ressourcen, aber auch von Kunst, Kultur sowie politischen und sozialen Utopien das Gefühl erzeugt, dass die Zeit sich nicht mehr vorwärtsbewegt. Aktuelle Kultur recycelt oft nur noch alte Formen, statt radikale Neuerungen oder Zukunftsideen hervorzubringen. Das 21. Jahrhundert erscheint wie eine Echokammer, in der nicht nur autoritäre und faschistische Ideen des 20. Jahrhunderts nachhallen. Auch die Gespenster sozialdemokratischer Wohlstandsideen, von Antirassismus, Dekolonialisierung, feministischer oder queerer Befreiung spuken durch die Gegenwart und lassen uns spüren, was heute wirklich fehlt.“
Das Obige ist ein Auszug aus einem Essay von Oliver Koerner von Gustorf zur Ausstellung.
Parallel zu Dispair präsentiert Mondtag mit Alternde Meister eine Performance, die in Zusammenarbeit mit Nadim Samman entwickelt und in Kooperation mit dem Berliner Ensemble realisiert wurde. Als Eröffnungsveranstaltung der Berlin Art Week markiert die Arbeit den Auftakt des Programms und entfaltet sich über mehrere Aufführungen in den Räumen der Gemäldegalerie. Als Berliner Vanitas konzipiert, bringt Alternde Meister alternde Körper in einen Dialog mit den Gemälden vergangener Jahrhunderte. An der Schnittstelle von Museum und Theater entsteht ein lebendiges Tableau über Schönheit, Vergänglichkeit und Erinnerung, in dem Vergangenheit und Gegenwart für einen Moment dieselbe Zeit teilen.
Internationale Aufmerksamkeit erlangte Ersan Mondtag mit seinem Beitrag zum deutschen Pavillon der 60. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia 2024. In Monument eines unbekannten Menschen entwickelte er einen begehbaren Erinnerungsraum, in dem Installation, Film und Performance die Geschichte der Arbeitsmigration anhand seiner eigenen Familiengeschichte entfalteten. Die Arbeit markiert zugleich einen Ausgangspunkt seiner aktuellen künstlerischen Auseinandersetzung mit Material, Erinnerung und dem Körper als historischem Archiv.
Derzeit inszeniert Ersan Mondtag Ariadne auf Naxos bei den Salzburger Festspielen.
2027 eröffnet Mondtag die Bayreuther Festspiele als Regisseur einer Neuinszenierung von Parsifal.