Leiko Ikemura
de sensu

11 SEP – 24 OCT 2026

Opening – 10 SEP 2026, 6–10 pm

Leiko Ikemura
„Green Baby“ 2025
Tempera und Öl auf Jute
210,5 x 120,5 cm
82 7/8 x 47 1/2 in

© Leiko Ikemura
Courtesy Contemporary Fine Arts
Photo: Jörg von Bruchhausen

Contemporary Fine Arts freut sich, die zweite Einzelausstellung der japanisch-schweizerischen Künstlerin Leiko Ikemura in ihrer Berliner Galerie anzukündigen.

Unter dem Titel de sensu präsentiert Ikemura neue Gemälde und Skulpturen, die die Beziehung zwischen Wahrnehmung, Körper, Geist und Raum untersuchen. Der lateinische Titel – de sensu, „durch die Sinne“ – verweist auf ein zentrales Thema der Ausstellung: die Erfahrung der Welt jenseits des rein Visuellen. Die Suggestion von Berührung, imaginären Klängen und Gerüchen versuchen die Wahrnehmung synästhetisch zu erweitern und laden die Betrachter dazu ein, ihren eigenen Körper als Teil eines größeren räumlichen und sozialen Kontexts zu verstehen.

Ausgehend von einem Zustand der Ungewissheit erforscht Ikemura die Möglichkeit, sich in einer von Wandel geprägten Welt neu zu orientieren. Die Schärfung der Sinne erscheint hier als ein Prozess des Suchens und Wiederentdeckens – ein Erwachen des Bewusstseins für die eigene Umgebung.

Die räumliche Gestaltung der Ausstellung wird durch drei grüne Figuren geprägt – Green Baby, Green Mom und Dear Spirit. Grüne Wände und Lichtakzente in Gelb und Dunkelblau schaffen eine Atmosphäre, die an den Übergang vom Tag zur Nacht erinnert und den Kreislauf des Werdens und Vergehens heraufbeschwört. Die Figur in mamagirl scheint diesen Schwellenraum als wachsame Präsenz zu begleiten.

Leiko Ikemura
„Green Mom“ 2025
Tempera und Öl auf Jute
210,5 x 120,5 cm
82 7/8 x 47 1/2 in

© Leiko Ikemura
Courtesy Contemporary Fine Arts
Photo: Jörg von Bruchhausen

Leiko Ikemura
„Dear Spirit“ 2025
Tempera und Öl auf Jute
210,5 x 120,5 cm
82 7/8 x 47 1/2 in

 

© Leiko Ikemura
Courtesy Contemporary Fine Arts
Photo: Jörg von Bruchhausen

Mit ihrer neuen Skulptur Milk Lady vertieft Ikemura ihre Auseinandersetzung mit den Themen Fürsorge, Verwandlung und Erneuerung. Die Figur nimmt Energie in sich auf und gibt sie als Nahrung für neues Leben wieder ab. Auf diese Weise suggeriert die Ausstellung einen kreatürlichen Kreislauf ohne Anfang und Ende.

Seit den 1980er Jahren beschäftigt sich Leiko Ikemura mit Aspekten des Übergangs, Transkulturalität und dem kollektiven Bewusstsein jenseits von Nationen und Geschlechtern. In ihrer Produktion wechselt die Künstlerinnahtlos zwischen leuchtenden und oft monumentalen Gemälden, introspektiven Zeichnungen und Aquarellen, glasierten Terrakotta-Skulpturen, Glas und Keramik.

Ikemuras Figuren, meist weiblich erscheinende Geisterwesen, können als kindlich-trotzig und unabhängig, zugleich jedoch zerbrechlich und ätherisch gelesen werden. Ihnen scheint die Kraft innezuwohnen, in mehreren Welten zu existieren. Mythische Mischwesen zwischen Mensch und Tier bevölkern ihre künstlerische Welt. Sovereint beispielsweise das omnipräsente Sujet Usagi Hasenohren mit einem menschlichen weiblichen Körper. Dieses Sujet, von Ikemura erstmals nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima und in Reaktion auf diese geschaffen, verkörpert universelles Leiden, Widerstandsfähigkeit und Erneuerung.

Ostasiatische Sansuiga-Maltraditionen, alte japanische Meister, der Surrealismus, die Nachkriegsabstraktion und die von ihr mitgeprägte figurative Malerei der 1980er Jahren inspirieren die Künstlerin gleichermaßen und verschmelzen als Einflüsse in ihren Werken.

Leiko Ikemura (イケムラレイコ, 池村玲子) wurde in Tsu in der Präfektur Mie, Japan, geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte an der Osaka University of Foreign Studies und an der Universität der Schönen Künste in Sevilla, bevor sie sich in Europa niederließ. Von 1991 bis 2015 war sie Professorin für Malerei an der Universität der Künste Berlin.

Ikemuras Werke sind in bedeutenden internationalen Museumssammlungen vertreten, darunter im Centre Pompidou, Paris; im Nationalmuseum für moderne Kunst, Tokio; im Kunstmuseum Basel und im Museum Kunstpalast, Düsseldorf. Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen zählen Motherscape, Albertina, Vienna (2025); Das Meer in den Bergen, Kunstmuseum Chur (2025); Rising Light / Frozen Moment, Museum of Contemporary Art Tokyo (2024–2025); Floating Spheres, Kunsthalle Emden (2024); When Animals Become Art, The Feuerle Collection, Berlin (2023); año del usagi, Museo de Arte de Zapopan, Guadalajara, Mexico (2023); Witty Witches, Georg Kolbe Museum, Berlin (2023); and Towards New Seas, Kunstmuseum Basel (2019). In 2025, she was awarded the title of “Person of Cultural Merit” by the Japanese government.

Walter Pichler
ZEICHNUNGEN & SKULPTUREN

organized by Anna Tripamer

11 SEP – 24 OCT 2026

Opening – 10 SEP 2026, 6–10 pm

Walter Pichler
„Beobachtungen eines Kindes“ 1984
Bleistift, Tempera und Tusche auf Papier
30,5 x 43 cm / 12 x 16 7/8 in
Photo: Jochen Littkemann

Courtesy Contemporary Fine Arts

Walter Pichler
Ohne Titel / Untitled 1976
Bleistift auf Papier
43,2 x 61,1 cm / 17 x 24 in
Photo: Jochen Littkemann

Courtesy Contemporary Fine Arts

Contemporary Fine Arts freut sich, anlässlich der Berlin Art Week 2026 die vierte Ausstellung des österreichischen Künstlers Walter Pichler mit der Galerie bekannt geben zu dürfen. Wir schätzen uns glücklich, Anna Tripamer – Tochter, Nachlassverwalterin und engste künstlerische Vertraute des Künstlers – für die Konzeption und Einrichtung der Ausstellung gewonnen zu haben.

Bereits in den 1960er Jahren erlangte Walter Pichler mit den Prototypen, einer Serie futuristischer Werke – technische Körperapplikationen, pneumatische Räume, audiovisuelle Komponenten –, internationales Ansehen. Vor allem an der Baukunst interessiert, entwickelte er – oft gemeinsam mit Hans Hollein und Raimund Abraham – utopische Räume. Bevorzugte Materialen waren ihnen dabei seinerzeit neue synthetische Werkstoffe wie PVC, Plexiglas, Polyester und Aluminium. Bereits in dieser frühen Schaffensphase bestritt Pichler 1967 eine Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York.

Zunächst nur als kurzfristiger Aufenthalt geplant, zog sich Pichler kurz nach einer weiteren musealen Einzelausstellung 1971 im Wiener Belvedere, dem heutigen 21er Haus, ins Burgenland zurück. Dort entdeckte er ein Gehöft im Dorf St. Martin, das er erwarb und das seitdem seine Hauptwirkungsstätte und neben Wien Lebensmittelpunkt auch für seine Familie wurde. Der Umzug zurück aufs Land – Pichler war im ländlichen Tirol aufgewachsen – zog auch einen radikalen Wandel seiner Materialen nach sich. Fortan griff er auf organische Werkstoffe wie Holz, Beton, Ziegel, Lehm, Glas und Blei zurück und schuf sukzessive ein einzigartiges Universum aus Modellen, Skulpturen und Zeichnungen. Zeichnung war Pichler ein bevorzugtes Medium, denn sie diente ihm als Projektionsebene seiner Vorstellung. Doch vollzog er seine künstlerische Arbeit nicht nur am Papier oder Modell, sondern setzte sie oft in jahre- teilweise jahrzehntelanger Arbeit in Realität um. Stringent, präzise und räumlich ordnend ging Pichler an die Verwirklichung seiner bildhauerischen Vision heran, wobei idiosynkratische, archetypisch anmutende Skulpturen von archaischer Schönheit entstanden.

Walter Pichler
„Doppelkopf“ 1987
Metall, Holz und Lehm
135 x 61 x 60 cm / 53 1/8 x 24 x 23 5/8 in
Photo: Gina Folly

Courtesy Contemporary Fine Arts

Walter Pichler
„Der rote Stab“ 2003
Holz, Metall und Lehm
287 x 26 x 22 cm / 113 x 10 1/4 x 8 5/8 in
Photo: Gina Folly

Courtesy Contemporary Fine Arts

Sein sicher radikalster und in der modernen Kunstgeschichte beispielloser Schritt war dann die Entscheidung, für seine Skulpturen Behausungen zu bauen. Diese schlichten Häuser innerhalb des Hofgeländes dienten und dienen ausschließlich dem Zweck, die Skulpturen zu beherbergen. Pichler unterschied nicht mehr zwischen Raum und Skulptur; nur als Einheit sind sie zu betrachten. Die Häuser integrieren sich dabei in Bauweise und -materialien in die Architekturen dieser ländlichen Region an der Grenze zu Slowenien und Ungarn.

Seine äußerst persönliche Beziehung zu seinen Skulpturen hielten den Künstler größtenteils davon ab, diese zu verkaufen oder an Museen abzugeben – für die Werke, die bereits ein Haus „bewohnten“ schloss er den Verkauf völlig aus.Niemand hat die Haltung Pichlers mehr verinnerlicht als seine Tochter Anna Tripamer, niemand durfte häufiger Zeugin seiner Produktionsprozesse werden, die in St. Martin den Familienalltag dominierten und gleichzeitig in diesen integriert wurden. Seine Frau Elfi Tripamer (1943 – 2025) wiederum war ihm dabei nicht nur als Fotografin der Werke kongenial verbunden.

Die von Anna Tripamer realisierte Präsentation bietet einen konzentrierten Einblick in das vielschichtige Werk eines Künstlers, dessen Auseinandersetzung mit Skulptur, Architektur und Raum bis heute nichts an ihrer Radikalität verloren hat.

Walter Pichler wurde am 1. Oktober 1936 in Deutschnofen, Südtirol, geboren. Er lebte und arbeitete in Wien und St. Martin an der Raab. Er studierte an der Kunstgewerbeschule in Innsbruck und an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Schon früh wurden seine Werke in renommierten internationalen Museen ausgestellt, darunter 1967 und 1975 im Museum of Modern Art in New York, 1968 auf der Documenta 4 in Kassel, 1982 im Österreichischen Pavillon auf der 40. Biennale in Venedig, 1978 im Städel Museum in Frankfurt am Main, 1988 und 2011 im MAK – Museum für Angewandte Kunst in Wien in den Jahren 1988 und 2011, in der Generali Foundation in Wien im Jahr 1998, im Stedelijk Museum in Amsterdam im Jahr 1998, im Museum der Moderne in Salzburg im Jahr 2016, im Belvedere in Wien im Jahr 2023 sowie in den Kunstmuseen Krefeld im Jahr 2024. Pichler starb 2012 in St. Martin an der Raab.