Self Studies
With works by Karin Kneffel, Jessica Jane Charleston, Jenny Watson, Ambra Durante, Romane Holderried Kaesdorf, Babette Semmer, Caterina Renaux Hering, Asana Fujikawa, Madeline Donahue & Nana Mandl
3 JUL bis 29 AUG 2026
Die Ausstellung Self Studies zeigt zehn Künstlerinnen verschiedener Generationen, in deren Arbeit die Erforschung des Selbst zum Gegenstand wird – in Malerei, Zeichnung, Keramik und Textil. Der Körper, der erinnerte, begehrte, geteilte, politisch besetzte, ist dabei der Ausgangspunkt: der Ort, an dem Selbstwahrnehmung und der Blick von außen aufeinandertreffen.
Die Arbeiten zeigen eine Erfahrungswelt, die facettiert und widersprüchlich ist, geprägt vom Spannungsfeld zwischen inneren Entwürfen und äußerer Zuschreibung, zwischen privatem Erleben und seiner gesellschaftlichen Dimension. Die Werke geben Raum, Identität in all ihrer Wandelbarkeit sichtbar zu machen, und befragen die überlieferten Bilder von Frauendarstellungen, die sie fortschreiben.
Courtesy of the artist and the gallery
KARIN KNEFFEL (*1957)
Den Auftakt der Ausstellung bilden Karin Kneffels Bilder mittelalterlicher
Madonnenskulpturen mit Kind – als Archetyp der weiblichen Darstellung. Es ist ein Akt der Wiederaneignung: Kneffel besetzt eines der ältesten Sujets der Kunstgeschichte – eines, das überwiegend von Männern dargestellt wurde. Ihre Bilder laden zum Verweilen und Zerlegen ein: Malerei als Verdichtung und Vergegenwärtigung, die das Schauen selbst sichtbar macht.
JESSICA JANE CHARLESTON (*1986)
Ausgangspunkt für Jessica Jane Charlestons zeichnerisch geprägte Arbeiten ist das Selbstporträt. Ihre Linie mäandert frei als treibende Kraft, die den vielen Facetten von
Identität und Gefühl Gestalt gibt. Charlestons Figuren oszillieren zwischen Mensch und Tier, zwischen dem Erkennbaren und dem Fantastischen. An surrealistische Traditionen anknüpfend wird der Zeichenprozess selbst zu einer Form von Selbsterkenntnis: Die Linie tastet sich vor, offenbart, entdeckt.
JENNY WATSON (*1951)
Jenny Watsons Werk ist von Punk und Feminismus geprägt. Als Ausdruck einer Haltung des Anti-Traditionalismus entwickelte sie in den 1970er Jahren eine bewusst naive, intuitiv zugängliche Bildsprache. Auf Stoff, Papier und Fundstücken malt sie autobiografische Szenen aus Alltag, Reisen, Träumen und Erinnerungen, oft begleitet von gemalten Texttafeln. Selbstporträts und Pferde kehren immer wieder: aus dem eigenen Leben gegriffen, zugleich vertraut als Projektionsflächen weiblicher Fantasie. Über fünf Jahrzehnte hat Watson die Erfahrungs- und Vorstellungswelt von Frauen zum Gegenstand ihrer Kunst gemacht.
Courtesy of the artist and the gallery
Courtesy of the artist and the gallery
AMBRA DURANTE (*2000)
Ambra Durantes Zeichnungen aus Bild und Text verfolgen den Akt des Denkens bei dem Versuch, sich selbst zu ergründen. Ihre Werke erzählen von den inneren Zuständen einer jungen Künstlerin und Frau. Der Spur der Linie folgend, zeigt Durante, wie sich Worte und Bilder in die eigene Identität einschreiben und wieder entgleiten – die Vorläufigkeit des Selbst erscheint als Ansammlung von überlieferten und erfahrenen Fragmenten.
ROMANE HOLDERRIED KAESDORF (1922–2007)
Romane Holderried Kaesdorfs Zeichnungen sind geprägt von feinem Humor und einem im besten Sinne eigenwilligen Zeichenstil. Sie zeigen Gesten, Haltungen und Handlungen eines dynamischen Frauenkörpers in Interaktion mit alltäglichen Gegenständen. Ihre tiefe Auseinandersetzung mit Körperlichkeit und Autonomie rückt die Frau als handelndes Subjekt und ihre Perspektive auf die sie umgebende Welt in den Fokus.
BABETTE SEMMER (*1989)
Babette Semmer arbeitet mit medial überlieferten Bildern der Popkultur. In ihrer Maltechnik aus Ölfarbe und Sand transformiert sie fotografische Vorlagen in stimmungsvolle Situationen auf der Leinwand, lädt sie mit persönlicher Geschichte auf, verschiebt Zusammenhänge, befragt unser kollektives Bildgedächtnis. Häufig zeigen ihre Bilder Frauen in alltäglichen Situationen und reflektieren dabei die Darstellungskonventionen und Projektionen vergangener Zeiten. Die an die analoge Fotografie erinnernde Körnung des Sandes macht den Eingriff lesbar, schafft Distanz und Spielraum malerischer Interventionen.
CATERINA RENAUX HERING (*1985)
Das Werk der brasilianischen Künstlerin Caterina Renaux Hering kreist um den weiblichen Körper als Material und Bild. Im Zentrum ihrer Praxis steht die Zeichnung, von der aus sich das Werk in Malerei, Keramik, Kostüm und Performance entwickelt. In ihrem Atelier erfindet sie Techniken, Zeichnungen mit Silikon und Resin zu verbinden – sinnliche, hautähnliche Materialien, zwischen Objekthaftigkeit und Körperlichkeit. Ihre Formensprache erinnert an die Klassische Moderne, doch es ist ein unverkennbar weiblicher Blick, der den Körper betrachtet, von innen heraus, geprägt von einem radikalen sinnlichen Ausdruckswillen.
Courtesy of the artist and the gallery
Erfahrungswelt, die sich meist im Verborgenen abspielt: Sie thematisiert die
Grenzerfahrungen der Mutterschaft und zeichnet dabei das Bild paralleler Identitäten – Mutter, sexuelles Wesen, Künstlerin – in unauflösbarer Spannung zueinander. Mit einem dezidiert weiblichen Blick rückt sie das Private ins Bild: als Ort, an dem sich die Transformation des Selbst vollzieht. Ihr Werk ist gekennzeichnet von einer stillen Dringlichkeit, die eine veränderte Wahrnehmung weiblicher Realität ermöglicht.