Jürgen Teller
Guten Morgen Sonnenschein
27 JUN bis 29 AUG 2026
Opening – 26 JUN 2026, 18 – 20 Uhr
Die Ausstellung Guten Morgen Sonnenschein zelebriert die positive, warme Art und den Einfallsreichtum der achteinhalbjährigen kreativen Partnerschaft von Teller mit seiner Frau Dovile Drizyte.
Die gleichnamige Serie von Diptychen zeigt Tellers morgendliches Ritual, bei dem er Filterkaffee zubereitet, gepaart mit dem, was ihn zu dieser Zeit entweder zu Hause oder auf Reisen umgab – ein Buch, ein Kunstwerk, eines der Bilder seiner Tochter Iggy oder ein Foto der schlafenden Drizyte –, wodurch ein intimer, persönlicher Liebesbrief entsteht.
Die enge Verflechtung ihrer Ehe und ihrer beruflichen Zusammenarbeit kommt in der Serie Symposium of Love (2025) zum Ausdruck, die auf Aristophanes’ Rede in Platons Symposium Bezug nimmt. Fotografien von Tellers und Drizytes nackten Körpern, wie sie in Sanddünen herumtollen, verschmelzen zu einem mythischen Wesen, das in der Bildfolge verschiedenen Verkörperungen der Natur – Waldlandschaften, Sonnenuntergänge und ausgestopften Tieren – gegenübergestellt wird.
In einem kürzlich geführten Interview erklärte Teller die gegenseitige Abhängigkeit ihrer Beziehung: „Wir machen alles gemeinsam, von morgens bis abends. … Sogar unsere Denkweise gleicht sich immer mehr an. Ich wollte diese Vorstellung, dass unsere beiden Körper ineinander verschmelzen.“ (10 magazine, 2. Dezember 2025).
Teller ist bekannt für die Verstrickung seiner kommerziellen und persönlichen Arbeiten, was sich besonders in seiner Serie Sono Qui (Ich bin hier) (2026), die er für Harper’s Bazaar Italia fotografierte, zeigt. Aktstudien von Drizyte stehen im Kontrast zu Stillleben, Stadtansichten und Modeaufnahmen, die einen Blick auf Venedig abseits der Touristenpfade gewähren. In einen weiteren Kontext gerückt werden diese Bilder durch ein Porträt des verstorbenen Papstes Franziskus im Frauengefängnis auf der Insel Giudecca, das zwei Jahre zuvor vom Heiligen Stuhl in Auftrag gegeben worden war.
Die Aufrichtigkeit von Tellers charakteristischem Blick zeigt sich in seiner intuitiven und demokratischen Herangehensweise an die Porträtfotografie – mit den deutschen Schauspielern Sandra Hüller und Lars Eidinger, den Künstlern Florentina Holzinger und Danh Võ, dem Musiker Iggy Pop und der Modedesignerin Katharine Hamnett sowie der Autorin Constance Debré, dem Philosophen Slavoj Žižek und dem Fußballer Michael Olise.
Vor allem aber bietet diese Ausstellung eine positive Reflexion des Familienlebens mit Tochter Iggy – von ihrer Zeugung, festgehalten in einer Aufnahme der Serie The Myth (2022), über religiöse Feierlichkeiten in der Serie A Sciuta (2023) bis hin zur humorvollen Neuinszenierung einiger von Tellers ikonischen Werken in der Serie Iggy Teller does Teller (2023). Kombiniert wird dies mit kontemplativen Werken wie dem Video Men (2023), mit dem Schauspieler Alexander Skarsgård und Teller, das sich auf die Erinnerungen seines Schwiegervaters an dessen Militärdienst sowie auf Tellers schwierige Beziehung zu seinem eigenen verstorbenen Vater bezieht.
Die Ausstellung knüpft an den Erfolg von Tellers jüngster Show you are invited im Onassis Ready in Athen an und besticht durch eine neue, zielgerichtete Erzählweise, die seine angeborene Neugier auf die Welt um ihn herum wiederspiegelt. Tellers anhaltende Fähigkeit, scharfsinnige Beobachtungen zu Themen wie Mode, Familie, Beziehungen, Religion und Alltag festzuhalten, vermittelt ein klares Verständnis für die heutige Relevanz der Authentizität dieses Mediums – gerade in einer Zeit, die von künstlicher Intelligenz und digitaler Bildmanipulation geprägt ist.