Petrit Halilaj
Who does the earth belong to while painting the wind?!

1 MAI bis 25 JUL 2026
Opening – 1 MAI 2026, 18-21 Uhr

ChertLüdde freut sich, Who does the earth belong to while painting the wind?!, eine Ausstellung von Petrit Halilaj, zu präsentieren. Sie ist das Ergebnis jahrzehntelanger Zusammenarbeit zwischen dem Künstler und der Galerie und entfaltet sich parallel zu Halilajs bislang größter institutioneller Präsentation in Deutschland, An Opera out of Time, im Hamburger Bahnhof.

Petrit Halilaj,
Charred and Graffitied steel shipping containers housing ‚Syrigana‘ props, Syrigana, 2025

Photo by Esad Duraki

Courtesy of ChertLüdde, Berlin and Petrit Halilaj

Die Ausstellung im Museum konzentriert sich auf Halilajs Open-Air Oper, die im Juni 2025 gemeinsam mit dem Kosovo Philharmonic Orchestra in Syrigana im Kosovo aufgeführt wurde.

Die Ausstellung im Museum konzentriert sich auf Halilajs Open-Air Oper, die im Juni 2025 gemeinsam mit dem Kosovo Philharmonic Orchestra in Syrigana im Kosovo aufgeführt wurde. Kurz vor der Premiere der Oper wurden zwei Lagercontainer des Künstlers aufgebrochen, mit Hassparolen und serbisch-nationalistischen Symbolen beschmiert und schließlich in Brand gesetzt. Während diese Geschichte in der Präsentation im Hamburger Bahnhof lediglich im
begleitenden Katalog erwähnt wird, richtet sich der Fokus bei ChertLüdde genau auf diese vandalisierten Container, die hier erstmals öffentlich gezeigt werden.

Nachdem sie auseinandergeschnitten und in die Galerie transportiert wurden,
tragen ihre verkohlten Oberflächen weiterhin die sichtbaren Spuren des Angriffs.

Die Flammen zerstörten einen Großteil der Szenografie der Oper – von den skulpturalen Blumen und Birnbäumen bis zu den Okarinas und weiteren Requisiten wie Helikoptern und kosovarischen Qilin-Teppichen. Obwohl nur noch wenige Tage bis zur Premiere blieben, rekonstruierten der Künstler und sein Team in mühevoller Arbeit das Verlorene und realisierten die Oper schließlich wie ursprünglich geplant. Ihre Entschlossenheit, die Au!ührung unverändert stattfinden zu lassen, wurde zu einer bewussten Bekräftigung der zentralen Botschaft des Werkes: ein Zeichen der Einheit, das sich weigerte, den Hass hinter dem Angriff über dessen Geist triumphieren zu lassen.

Petrit Halilaj in his Berlin studio preparing for his ChertLüdde Gallery show, 2026

Photo by Marjorie Brunet Plaza

Courtesy of ChertLüdde, Berlin and Petrit Halilaj

Petrit Halilaj in his Berlin studio preparing for his ChertLüdde Gallery show, 2026

Photo by Marjorie Brunet Plaza

Courtesy of ChertLüdde, Berlin and Petrit Halilaj

Dennoch bleibt das emotionale und symbolische Gewicht der Attacke bestehen. Die Ausstellung reflektiert daher nicht nur die lebendigen Erinnerungen an Petrit Halilajs Kindheit, die von bewa!netem Konflikt geprägt war, sondern auch die ungelösten Spannungen, die bis heute
in der Balkanregion nachhallen. In Who does the earth belong to while painting the wind?! setzt sich Halilaj damit auseinander und nutzt die Ausstellung als Plattform, um Gewalt zu konfrontieren und darüber nachzudenken, wie ihre zerstörerische Kraft transformiert oder überwunden werden kann.

Die Ausstellung vereint Arbeiten aus mehr als einem Jahrzehnt künstlerischer Praxis – von Werken, die ursprünglich 2012 in der gleichnamigen Ausstellung in der Kunsthalle St. Gallen gezeigt wurden, bis hin zu neu entstandenen Arbeiten.

Petrit Halilaj,
View inside one of the charred and graffitied steel shipping containers housing ‚Syrigana‘ props, Syrigana, 2025

Photo by Esad Duraki

Courtesy of ChertLüdde, Berlin and Petrit Halilaj

„Who does the earth belong to while painting the wind?!“ ist eine Frage, die der Künstler erstmals in seinem Gedichtband of course blue affects my way of shitting (Chert und Motto Books, 2014) formulierte. Geschrieben kurz nach seiner Ankunft in Italien im Jahr 2003, wo er an der Accademia di Brera zu studieren begann, reflektiert der Text über Land und Zugehörigkeit in einem Moment, in dem er selbst zum Migranten geworden war und sich in einer fremden Sprache und Kultur bewegte. Gleichzeitig trägt er eine tiefere und nachhaltige Reflexion in sich – eine, die den Kern von Halilajs künstlerischer Forschung begründet und bis heute prägt.

Halilaj war erst dreizehn Jahre alt, als er 1999 gemeinsam mit seiner Familie in den gewaltsamen Konflikt zwischen serbischem Nationalismus und dem Unabhängigkeitsstreben Kosovos geriet. Verwurzelt in einem jahrhundertelangen Streit um Land und Souveränität hinterließ dieser Krieg einen nachhaltigen Eindruck – einen, der in seiner künstlerischen Praxis durch Farben, Materialien und Symbole immer wieder aufscheint.

BIOGRAPHY

Petrit Halilaj (1986, Kostërrc, Kosovo) lebt in Berlin.

Petrit Halilaj versteht Ausstellungen als eine Möglichkeit, den Verlauf persönlicher und kollektiver Geschichten zu verändern, indem er komplexe Welten schaffen , die Raum für Freiheit, Begehren, Intimität und Identität einfordern. Seine Arbeit ist eng mit der jüngeren Geschichte seines Herkun fstlandes Kosovo sowie mit den kulturellen und politischen Spannungen in der Region verbunden, die er häufig als Ausgangspunkt nutzt, um gegenläufige poetische Perspektiven für die Zukunft zu entfachen. In seiner Biografie verwurzelt, umfassen seine Projekte eine Vielzahl von Medien, darunter Skulptur, Zeichnung, Malerei, Text und Performance. Häufig verarbeitet er Materialien aus dem Kosovo und realisiert seine Arbeiten in Form ambitionierter räumlicher Installationen, in denen persönliche Beziehungen, Orte und Menschen in skulpturale Formen übertragen werden. Halilajs Praxis kann als spielerischer und bisweilen respektloser Versuch verstanden werden, sich gegen unterdrückerische Politik und gesellschaftliche Normen zu behaupten – hin zu einer ungezähmten Feier aller Formen von Verbundenheit und Freiheit.

Derzeit ist seine Arbeit unter anderem in folgenden Ausstellungen zu sehen: Petrit Halilaj. An Opera out of Time, Hamburger Bahnhof, Berlin (11. September – 31. Mai 2026), sowie In Interludes and Transitions, Diriyah Contemporary Art Biennale, JAX District (30. Januar – 2. Mai 2026).

Robert Rehfeldt
Mail Message from my Studio

1 MAI bis 25 JUL 2026
Opening – 1 MAI 2026, 18-21 Uhr

ChertLüdde präsentiert Mail Message from my Studio, eine Ausstellung von Robert Rehfeldt.

Robert Rehfeldt,
Zeichenbild (Scripural), 1982,

Mixed media on board, 160.2 × 100.1 × 3 cm

Photo by Marjorie Brunet Plaza

Courtesy of The Artist and ChertLüdde, Berlin

Mehr als zwanzig Jahre nach seinem Tod widmet ChertLüdde Robert Rehfeldt eine umfassende Ausstellung, die sich auf zwei grundlegende Dimensionen seiner künstlerischen Praxis konzentriert: seine tief verwurzelte Verbindung zur Stadt Ost-Berlin sowie sein weitreichendes internationales Netzwerk, das er über das Mail-Art-System au!aute. Durch die Zusammenführung von Arbeiten aus Malerei und verschiedenen grafischen Techniken hebt die Ausstellung Rehfeldts zentrale Rolle innerhalb seiner Generation hervor und unterstreicht zugleich seinen
nachhaltigen Einfluss auf nachfolgende Künstlerinnen und Künstler.

Die Ausstellung wird von einem neu in Auftrag gegebenen wissenschaftllichen Essay des Kunsthistorikers Christopher Williams-Wynn begleitet und vereint Gemälde aus dem Nachlass von Robert Rehfeldt, Mail-Art-Korrespondenz aus dem Mail Art Archive von Ruth Wolf-Rehfeldt sowie Werke von Robert Rehfeldt aus der Sammlung des Zentrum für Kunstausstellungen der DDR.

Robert Rehfeldt,
Blatt aus Mappe (KUNSTPOSTBRIEFE), 1982,

Lithografien auf Papier, 54 × 42 cm

Courtesy of The Artist and ChertLüdde, Berlin

Robert Rehfeldt,
Blatt aus Mappe (KUNSTPOSTBRIEFE), 1982,

Original lithograph printed from stone on paper, 54 × 42 cm

Courtesy of The Artist and ChertLüdde, Berlin

Robert Rehfeldt wurde 1931 im heutigen Stargard Szczeci ski geboren und verbrachte den Großteil des Zweiten Weltkriegs bei Pflegeeltern in Österreich. 1946 zog er mit seiner Mutter in die Sowjetische Besatzungszone nach Berlin, bevor er zwischen 1948 und 1953 an der Hochschule für Bildende Künste in WestBerlin studierte. Nachdem er zunächst in Berlin-Mitte gelebt hatte, zog er nach Pankow im Nordosten der geteilten Stadt – ein Ort, der für 40 Jahre zu seiner Basis wurde. Neben seiner Atelierpraxis entwickelte er sich zu einem der international
am besten vernetzten Künstler der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und stand von den frühen 1970er Jahren bis zu seinem Tod 1993 mit Hunderten von Künstler*nnen weltweit in Korrespondenz.

Rehfeldt trat Anfang der 1970er Jahre dem Mail-Art-Netzwerk bei. Innerhalb dieser Gemeinschaft tauschten Künstlerinnen und Künstler Werke – häufig Postkarten, Fotokopien, Stempelabdrücke und kleine Objekte – über den Postweg aus. Mitte des Jahrzehnts** arbeitete er auf Distanz mit Horacio Zabala zusammen. Dessen Austausch mit Robert Rehfeldt bietet innerhalb der Ausstellung weitere Einblicke in die Entwicklung und den Kontext von Rehfeldts Praxis.
Zabala wurde 1943 in Argentinien geboren und absolvierte zunächst eine Ausbildung als Architekt. Noch während er in Buenos Aires lebte, entwickelte er eine konzeptuelle künstlerische Praxis, die sich mit der möglichen Rolle von Kunst unter Bedingungen extremer politischer Repression auseinandersetzt. Nach dem Militärputsch von 1976 verließ er das Land und blieb mehr als zwanzig Jahre in Europa. Auch seine Mail Art wird in der Ausstellung zu sehen sein.

Robert Rehfeldt,
„Untitled“, 1980s, finished 1990;

Paint, mixed-media on canvas; 140.5 × 120.5 × 2.7 cm

Photo by Marjorie Brunet Plaza

Courtesy of The Artist and ChertLüdde, Berlin

Für Rehfeldt war es ebenso zentral, offene Kommunikationskanäle aufrechtzuerhalten, wie seine Arbeit im Atelier. Im Laufe der 1980er Jahre entstand eine Reihe von Gemälden, die zeigen, wie er innerhalb verschiedener malerischer Idiome arbeitete und zwischen ihnen wechselte. Durch komplexe Ebenen der Vermittlung fand er Wege, Aspekte der gesellschaftlichen Bedingungen in der DDR zu thematisieren.

 

BIOGRAPHY

Robert Rehfeldt (1931, Stargard – 1993, Berlin) war eine zentrale Figur der experimentellen Kunst in Ostdeutschland und ein Pionier der internationalen Mail-Art-Bewegung hinter dem Eisernen Vorhang.

1953 schloss er sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in West-Berlin ab. Während er als freischa ender Gra ker und Presseillustrator arbeitete, entwickelte er parallel seine eigene künstlerische Praxis weiter. Begegnungen mit Künstlern wie Karl Schmidt-Rottlu und Alexander Camaro prägten sein Verständnis von Kunst als o enem, experimentellem Akt und nicht als ideologischem Instrument. Diese Grundlage erwies sich als entscheidend, als
das politische Klima in der DDR zunehmend restriktiver wurde. Ab 1963 war Rehfeldt in den experimentellen Kunstkreisen Ost-Berlins aktiv und wurde Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR. Nachdem sich der kulturelle Austausch mit dem Westen nach der Schließung der Grenzen zunehmend erschwerte, geriet auch die künstlerische Produktion unter stärkere Einschränkungen. Als Reaktion darauf entwickelte Rehfeldt das, was er „Kontakt
Kunst“ nannte: In seinem Kelleratelier in Berlin-Pankow produzierte er Arbeiten, die er per Post ins Ausland verschickte. Berühmt wurde sein Ausspruch: „Dada ist tot, Kontaktkunst lebt in deinem Briefkasten.“

Anfang der 1970er Jahre wurde Rehfeldt durch den Kontakt mit Klaus Groh intensiv in das internationale Mail-Art-Netzwerk eingebunden. Sein Atelier entwickelte sich zu einem informellen Informationszentrum für künstlerische Entwicklungen im Westen und bot Künstlerinnen und Künstlern in der DDR seltene Einblicke. Er korrespondierte mit bedeutenden internationalen Persönlichkeiten wie Nam June Paik, Wolf Vostell, Robert Filliou, Horst Tress
und Dick Higgins.

Rehfeldt knüp e zudem enge Verbindungen zu Künstlern in sozialistischen Ländern, insbesondere in Polen und Ungarn, und sammelte wichtige Nachkriegspublikationen, die seine Collagen beeinflussten. Nach einer frühen realistischen Phase mit metaphysischen Elementen unter dem Einfuss seines Freundes Ernst Schröder begann er stilübergreifend zu experimentieren – abstrakt und gurativ, als Popkünstler, Assemblage-Künstler, Installationskünstler, Aktivist und Filmemacher. Mit einer Super-8-Kamera dokumentierte er heimlich Performances, Ausstellungen, Reisen und Alltagssituationen und kombinierte
das Material häu g mit Klangcollagen aus Radioaufnahmen, die er als „vokal/melodische Tonbandbriefe von Ost nach West“ bezeichnete.

1975 lud er anlässlich seiner Ausstellung in der Galeria Teatru Studio in Warschau Künstlerinnen und Künstler weltweit ein, Postkarten zu gestalten, und initiierte damit die erste Mail-Art-Ausstellung aus der DDR heraus. Dieses Projekt inspirierte weitere wegweisende Ausstellungen, darunter in der Arkade-Galerie (1978) und in Jürgen Schweinebradens EP-Galerie (1979) in Ost-Berlin. 1986 organisierte er das erste Tre en des „Discrete International Mail-Art Congress“.

Nach der deutschen Wiedervereinigung präsentierte Rehfeldt 1991 im Berliner Ephraim-Palais seine Arbeiten sowie eine Retrospektive seines Mail-Art-Projekts von 1975. Er starb am 28. September 1993 nach einer Operation in Berlin. Sein Werk wurde seither in zahlreichen posthumen Ausstellungen gezeigt, darunter eine Retrospektive 2008 in der Galerie Parterre in Berlin.

Christopher Williams-Wynn ist Historiker und (eoretiker der modernen und zeitgenössischen Kunst. Derzeit ist er Forschungsstipendium der Alexander-von Humboldt-Stiftung an der Freien Universität Berlin, wo er untersucht, wie Medien genutzt wurden, um die epistemologischen Ansprüche, politischen Konsequenzen und ästhetischen Implikationen disziplinären Wissens und künstlerischer Praxis zu reflektieren. Er promovierte in Kunstgeschichte an der Harvard University; seine Texte erschienen unter anderem im Art Journal, im Grey Room und im Art
Bulletin.

Horacio Zabala (1943, Buenos Aires) ist ein argentinischer Konzeptkünstler und Architekt, der für seine politisch aufgeladenen und intellektuell präzisen Arbeiten bekannt ist. Seit den späten 1960er Jahren wurde er mit Avantgarde-Bewegungen verbunden, die autoritäre Strukturen und traditionelle Kunstinstitutionen in Argentinien und in ganz Lateinamerika infrage stellten. Seine Praxis umfasst Zeichnung, Kartografie, Mail Art und Installation; häufig nutzt er Karten und
architektonische Pläne, um Grenzen, Machtstrukturen und Kontrollsysteme zu untersuchen. Zabala stellte international aus, unter anderem im Museum of Modern Art und auf der Biennale von Venedig, und gilt als einflussreiche Figur der globalen Konzeptkunst.