Jiyoon Chung
Dead End

1 MAI BIS 6 JUNI 2026
Opening – 1 MAI 2026, 18-21 Uhr

Anlässlich des Gallery Weekend Berlin 2026 präsentiert die Galerie Anton Janizewski mit Dead End Jiyoon Chungs erste Einzelausstellung in Berlin. Die Künstlerin knüpft damit an eine Ausstellung an, die im Politikens Forhal im Rahmen des Einzelpreises der Charlottenborg Spring Exhibition in Kopenhagen stattgefunden hat.

Jiyoon Chung,
Untitled, 2026,

Rail: 320 x 15 x 10 cm,
glass door: 296 x 260 x 0.8 cm,
Rosewood crucifix with corpus missing, (c. 1970s),
automatic sliding door system, glass, aluminum,

Courtesy of the Artist and Anton Janizewski,
Copyright Brian Kure

In der Berliner Ausstellung präsentiert die Künstlerin eine ortsspezifische Installation, die Themenkomplexe der Wahrnehmung und den Umgang mit Angst, externer Affektregulierung und Infrastrukturen der Kontrolle behandelt. Während Chungs Projekt in Kopenhagen einen Zusammenhang mit der Vereitelung eines Terroranschlags Ende 2010 herstellt und die resultierende Verstärkung und Neuorganisation der Sicherheitsstruktur der Kunsthalle behandelt, steht die Einzelausstellung bei Anton Janizewski vor dem Hintergrund einer aktuellen Intensivierung von Sicherheitspolitiken, welche die Suche nach sozialen Lösungen zunehmend verdrängen.

Dead End unternimmt die Übersetzung der Crisis-Ordinariness – der Gewöhnlichkeit von Krisen – in visuelle Trigger. Mittels dieser Trigger-Konfrontation erzeugt Chung in den Galerieräumen einen Zustand, der den vertrauten Alltagsrhythmus erschüttern soll. Sie hinterfragt dabei, inwiefern die Erwartung von Unsicherheit und Unbehagen mit der vermeintlichen Stabilität des Alltagsrhythmus vereinbar ist.

Dicht auf den Galeriefenstern platzierte Fingerabdrücke, legen in forensischer Weise unsere fast unauffälligen, aber am häufigsten hinterlassenen Spuren bloß. Sie befinden sich an der Grenze zwischen zwei Arten von öffentlichem Raum: der Außenwelt und dem Ausstellungsraum.

from front to back:

Jiyoon Chung,
Hyperreal, 1.0, 2026,

79 x 101 x 10 cm,
Epoxy resin, graffiti extracted with solvent,

Courtesy of the artist and Anton Janizewski,
Copyright Brian Kure

 

Jiyoon Chung,
Hyperreal, 0.0, 2026,

79 x 101 x 10 cm,
Epoxy resin, distilled water,

Courtesy of the artist and Anton Janizewski,
Copyright Brian Kure

Beim Betreten der Galerie werden die Besucher mit einer modifizierten Schiebetür konfrontiert. In der Mitte der beiden Glashälften ist ein hölzernes Kruzifix befestigt, das beim Öffnen der Tür entzweit wird. Auch andere Kruzifixe in der Ausstellung, gegossen aus Epoxidharz, nutzen dieses Symbol auf ungewöhnliche Weise.

Für Chung ist das Kruzifix eine Sackgasse der Vorstellungskraft. Als eines der bekanntesten Symbole überhaupt hat es seine einstige Kraft zur tiefen Betrachtung verloren. Durch seine ständige Präsenz ist es fast bedeutungsleer geworden. Eine Form, die so überladen mit Bedeutung ist, dass sie Raum für neue, menschliche Spuren ermöglicht. Angesichts des Kreuzes kommt es zu einem Stillstand im Denken: jeder seiner vier Kardinalpunkte endet buchstäblich in einer Sackgasse.

Jiyoon Chung,
Prior Aging, 2026,

Dimensions variable,
Lifted fingerprints, traces protection powder,

Courtesy of the Artist and Anton Janizewski,
Copyright Brian Kure

Jiyoon Chung,
Hyperreal, 1.0, 2026,

79 x 101 x 10 cm,
Epoxy resin, graffiti extracted with solvent,
Detail,

Courtesy of the artist and Anton Janizewski,
Copyright Brian Kure

Jiyoon Chung (*1990, Seoul, Südkorea) lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und Seoul. Chung erwarb ihren BFA an der Chung-Ang-Universität und schloss im Jahr 2024 ihr Studium an der Hochschule für Bildende Künste – Städelschule ab. Ausgewählte Einzelausstellungen umfassen: „Dead End“, Forhallen, Kopenhagen; „White Lies“, N/A Gallery, Seoul; und „Condition Reserved“, Kornhäuschen, Aschaffenburg. Sie wurde 2024 mit dem Preis der Künstlerhilfe Frankfurt e.V. und dem Absolventenpreis der Sammlung Pohl ausgezeichnet.